Dienstag, 28. Juni 2016

Millionenskandal um Malte Hartwieg weitet sich aus Dünnes Bärtchen in dünner Luft

Geänderte Medienpolitik: An Finanzunternehmer Hartwieg ist kaum heranzukommen
[M] mm.de; Dima24
Geänderte Medienpolitik: An Finanzunternehmer Hartwieg ist kaum heranzukommen

Feinster Zwirn, 1-A-Umgangsformen und das schmale Oberlippenbärtchen stets millimetergenau getrimmt - der Fondsvertriebler Malte André Hartwieg ist ein Verkäufer wie er im Buche steht. Es gab Zeiten, da konnte er seinen Namen gar nicht häufig genug in den Fachblättern des grauen Kapitalmarktes lesen. Das ist allerdings lange her - inzwischen ist es für Medienvertreter beinahe unmöglich, an Hartwieg heranzukommen.

Der einstmals umtriebige Finanzunternehmer hat vermutlich anderes zu tun. Zum Beispiel seine Haut retten in einem Anlageskandal der größeren Art. In dem Debakel um die Firmen dima24, NCI und Selfmade, die Hartwieg vor Jahren ins Leben rief, wird die Luft für ihn immer dünner. Demnächst, das ergeben Recherchen von manager-magazin.de, dürften in diesem Komplex Schadensersatzforderungen auf ihn zukommen, die seine bisherigen Probleme wohl deutlich übersteigen.

Und damit nicht genug: Inzwischen tritt auch in der bisher noch einigermaßen unauffälligen Münchener Hartwieg-Gründung Euro Grundinvest, einem Emissionshaus von Immobilienfonds, die Schieflage deutlich zu Tage. Eine weitere Baustelle, auf der der gelernte Maurer Hartwieg wohl künftig sein Geschick wird beweisen müssen.

Mit der Lage von zahlreichen Unternehmen aus Hartwiegs einstigem Konglomerat beschäftigt sich seit geraumer Zeit Rolf G. Pohlmann, Rechtsanwalt in München. Nachdem mehrere Dutzend Gesellschaften unter den Firmierungen dima24, NCI, Selfmade und anderen seit September 2014 Insolvenz angemeldet hatten, war Pohlmann vom Gericht als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt worden.

Das Anlegergeld ist zum größten Teil wohl weg

Zwar ist es Pohlmann, der sich mit Wirtschaftskriminalverfahren bereits einen Namen gemacht hat, angesichts des Dickichts an Unternehmensverflechtungen bis heute nicht gelungen, sich einen vollständigen Durchblick zu verschaffen. Einige grundsätzliche Erkenntnisse hat er aber bereits gewonnen - und die klingen für die Anleger, die ihr Geld in Hartwiegs Reich gesteckt haben, sowie für den Spiritus Rector selbst alles andere als verheißungsvoll.

Insgesamt 150 bis 200 Millionen Euro an Ersparnissen von mehreren Tausend Anlegern stecken in den von Pohlmann durchleuchteten Firmen, sagt der Jurist zu manager.magazin.de. "Dieses Geld ist zum größten Teil erst mal weg", so Pohlmann.

Der Grund: Hartwieg hat seine Fondsprodukte so konstruiert, dass die Anlegergelder, die beispielsweise für Öl- und Gasinvestments in Nordamerika sowie für Infrastrukturanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten gedacht waren, in der Regel zunächst an unabhängige Zielgesellschaften im Ausland flossen. So verließen sie die Einflusssphäre des hiesigen Managements und sind damit nun auch für den vorläufigen Insolvenzverwalter nicht greifbar. Was mit den Geldern tatsächlich geschehen ist, kann Pohlmann auch deshalb nicht sagen.

"Hartwieg verweist auf seine Investmentmanager im Ausland", sagt Pohlmann. "Nur diese seien für die Anlagen verantwortlich gewesen." Ein bereits fest vereinbarter Gesprächstermin mit einem dieser Manager sei allerdings kurzfristig geplatzt.

Eine solche Firmenkonstruktion ist aus Anlegersicht zwar höchst unvorteilhaft - unerlaubt ist sie jedoch nicht unbedingt. Entscheidender dürfte daher sein: Rechtsanwalt Pohlmann glaubt bereits nach seiner bisherigen Analyse, dem Management der Unternehmensgruppe auch innerhalb Deutschlands "zivilrechtliche Pflichtverletzungen" nachweisen zu können.

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