Finanzen

16.11.2017  Überraschung in New York

Rekordpreis für da Vinci - 450 Millionen Dollar für ein Bild

Paukenschlag am Kunstmarkt: Ein Gemälde von Leonardo da Vinci ist in New York für rund 450 Millionen Dollar versteigert worden. Es wurde damit überraschend zum teuersten jemals bei einer Auktion verkauften Kunstwerk.

Nach einem 19-minütigen Bieterwettstreit mit rund 45 Geboten beim Auktionshaus Christie's bekam ein anonymer Telefonbieter am Mittwochabend (Ortszeit) bei 400 Millionen Dollar den Zuschlag für "Salvator Mundi". Mit Gebühren wurde daraus ein Gesamtpreis von 450.312.500 Dollar (etwa 383,6 Millionen Euro). Den bisherigen Rekord hatte das Gemälde "Les femmes d'Alger" von Pablo Picasso gehalten, das 2015 für rund 180 Millionen Dollar versteigert worden war.

Wer die enorme Summe für das Da-Vinci-Gemälde auf den Tisch blättert, ist bislang nicht bekannt. Dem Kunstportal Artnet zufolge waren beim Gebot von 190 Millionen Dollar noch fünf Bieter im Rennen, vier am Telefon und einer im Saal in New York. Später habe sich der Wettstreit auf zwei Bieter zugespitzt: Einen Klienten von Alex Rotter, dem Co-Chef für zeitgenössische Kunst beim Auktionshaus Sotheby's, sowie einen Kunden von Francois De Poortere, Christie's' Chef für den Bereich der Alten Meister. Beide Kunstsammler nahmen telefonisch an der Veranstaltung teil, so Artnet.

Rotters Kunde habe die Gebote im Verlauf der Auktion stets in größeren Schritten von rund 30 Millionen Dollar erhöht, berichtet das Kunstportal, gegenüber dem Klienten von De Poortere, der lediglich Schritte von zwei bis fünf Millionen Dollar wählte. Letztlich setzte sich der Kunstfreund, den Sotheby's-Experte Rotter am Telefon hatte, durch und erhielt unter dem Applaus der Anwesenden im Saal den Zuschlag.

"Können Sie das glauben?"

Die Reaktionen unter den Teilnehmern der Auktion waren daraufhin dem unerwartet hohen Weltrekordpreis entsprechend. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt, war der Raum gefüllt mit Millionären und Milliardären wie dem Hedgefonds-Manager und bekannten Kunstsammler Steve Cohen, Tom Hill vom Finanzinvestor Blackstone sowie dem US-Milliardär, Kunstsammler und Philanthropen Eli Broad.

"Jesus Christ", entfuhr es nach dem Rekordzuschlag etwa Groß-Kunsthändler Larry Gagosian, so Bloomberg.

"Können Sie das glauben?", fragte Milliardär Broad. "Das ist wild."

"Werden wir jemals ein Gemälde sehen, das für eine Milliarde verkauft wird?" fragte die russische Sammlerin Maria Baibakova. "Bis heute dachte ich nicht, dass das möglich wäre."

Bei "Salvator Mundi" handelt es sich nach Angaben des Auktionshauses Christie's um das letzte bekannte Gemälde von Da Vinci in Privatbesitz. Insgesamt sind von Da Vinci weniger als 20 Gemälde bekannt, darunter die "Mona Lisa", die im Louvre in Paris hängt. Einige Beobachter hatten "Salvator Mundi" im Vorfeld der Auktion als "männliche Mona Lisa" gefeiert.

Bei dem um 1500 entstandenen Gemälde des italienischen Künstlers (1452-1519) handelt es sich um ein Porträt von Jesus Christus in Öl auf Walnussholz. Es gehörte im 17. Jahrhundert dem englischen König Charles I. und galt im 20. Jahrhundert lange als verschollen oder zerstört. Mitte der 2000er Jahre wurde das Bild wiederentdeckt, gesäubert und restauriert. Zuletzt hatte es dem russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew gehört, der dafür 2013 127,5 Millionen Dollar bezahlte. Ursprünglich hatte Christie's bei der aktuellen Auktion mit einem Preis von rund 100 Millionen Dollar gerechnet.

Viele Kunstexperten bezweifelten im Vorfeld der mit Spannung erwarteten Auktion jedoch, dass Da Vinci das Gemälde, das nicht mehr in gutem Zustand ist, wirklich alleine anfertigte. Zudem kritisierten sie die Entscheidung, das mehr als 500 Jahre alte Bild in der traditionell umsatzstärksten Auktion für zeitgenössische Kunst und Kunst aus der Nachkriegszeit anzubieten, als Preistreiberei.

Die alljährlichen Herbstauktionen in New York laufen seit Montag und sollen am Donnerstag zu Ende gehen.

cr/dpa-afx

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