Sonntag, 28. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Private Krankenversicherer im Leistungsvergleich Operation Kassensturz - Privatpatienten in der Kostenfalle

Medizinische Inflation: Bei den Privatkassen steigen die Behandlungskosten schneller als bei der gesetzlichen Konkurrenz

Die Wahl des richtigen Krankenversicherers ist ein Vermögen wert. Wer falsch liegt, kann leicht mehrere Zehntausend Euro verlieren. Ein exklusiver Branchentest filtert die besten Anbieter heraus.

In einer Branche, die ihre Topmanager immer noch gern als Generaldirektoren tituliert, ist Birgit König (51) eine reichlich exotische Erscheinung. Ganz abgesehen davon, dass die Chefin des Krankenversicherungsarms der Allianz Börsen-Chart zeigen als einzige Frau unter den 42 Konzernfürsten ihrer Branche ohnehin heraussticht, hat sie auch sonst wenig mit ihren Kollegen gemein. Sie ist weder Juristin, noch hat sie Sterbetafeln kalkuliert und sich schon gar nicht als Einpeitscherin diverser Vertretertruppen hervorgetan.

Die promovierte Biologin machte als Gesundheitsexpertin bei McKinsey Karriere, beriet Pharma- und Biotech-Unternehmen und hob Effizienzpotenziale bei den gesetzlichen Krankenkassen. Vor allem aber hat sie sich mit den fiesen kleinen Details beschäftigt, die eine private Krankenversicherungspolice im Kleingedruckten bereithält.

Gefunden in
portfolio
Dezember 2015

Das Magazin portfolio erscheint als Beilage des manager magazins.

Digitale Ausgabe
Gedruckte Ausgabe
manager magazin testen + Geschenk
Abo
Mit Anfang 40 begann sie sich mit Alterungsrückstellungen, Prämienkalkulation und Leistungskatalogen auseinanderzusetzen, kündigte anschließend ihre eigene Krankenversicherungspolice und wechselte zu einem neuen Anbieter. Das heißt: Sie kennt die dunklen Seiten ihrer Branche mindestens so gut wie die vielen Kunden, die in den vergangenen Jahren immer wieder über massive Prämiensteigerungen und juristisch gedrechselte Ausschlussklauseln klagten.

Tatsächlich hat sich in den vier Jahren, in denen König bei der Allianz arbeitet, einiges getan. Der Kundenschwund, unter dem die Krankenversicherung seit den 90ern litt, ist zunächst einmal gestoppt. Die neue Tarifgeneration macht die Angebote für Neukunden wieder attraktiv. Im Leistungsvergleich, den das Analysehaus Morgen & Morgen für portfolio durchgeführt hat, gehört die Allianz sowohl bei den preis- als auch bei den leistungsorientierten Tarifen zur Spitzengruppe.

Hohes Niveau in der Kategorie "leistungsorientiert"
Anbieter Bilanz: M&M-Rating (KV-Unter-nehmen Betrachteter Tarif Tarif-qualität: M&M-Rating (PKV-Vollver-sicherung) Gesamt-beitrag (30-Jähriger) Preis-niveau Rechnungs-zins (Neu-geschäft) Historische Beitrags-stabilität (2012)
Allianz +++++ AktiMed Best 90, PVN +++++ 555,88 € moderat 2,75%
Axa + Vital300-U, Prem Zahn-U, PVN, KHT-U +++++ 470,07 € sehr günstig 2,5-2,75%
Barmenia ++ EXP1+, PVN +++++ 538,95 € günstig 2,75%
Hallesche ++++ NK.3, PVN +++++ 538,17 € günstig 2,5-2,75%
Inter +++ QMP 300 U, PVN +++++ 483,75 € günstig 2,75%
R+V +++ AGIL premium 0 U, PVN +++++ 567,23 € moderat 2,75% -
Analysiert wurde der jeweils leistungsstärkste Tarif. Einstiegsalter: 30 Jahre, 600 Euro Selbstbehalt, Einbettzimmer, 90 % Zahnbehandlung, 75% Zahnersatz, Erstattung auch über dem 3,5-Fachen des Höchstsatzes der GOÄ.
Quelle: Morgen & Morgen
32 private Krankenversicherer im Test

32 Krankenversicherer hat Morgen & Morgen analysiert, nahm Bilanzkennzahlen, Produktqualität und Prämienniveaus unter die Lupe. Am Ende blieben 13 Unternehmen übrig, die den Test mit Bestnoten bestanden. Sieben in der Kategorie der "preisorientierten" Anbieter, sechs in jener der "leistungsorientierten". Nur zwei Unternehmen schafften es in beiden Kategorien in die Topauswahl: Allianz und Hallesche. Die Marktführer Debeka und DKV hingegen zählen in keiner der beiden Gruppen zu den Bestplatzierten.

Solider Standard in der Kategorie "preisorientiert"
Anbieter Bilanz: M&M-Rating (KV-Unter-nehmen Betrachteter Tarif Tarif-qualität: M&M-Rating (PKV-Vollver-sicherung) Gesamt-beitrag (30-Jähriger) Preis-niveau Rechnungs-zins (Neu-geschäft) Historische Beitrags-stabilität (2012)
Allianz +++++ AktiMed Plus 90 P, PVN ++++ 429,29 € moderat 2,75%
Continentale ++ ECONOMY-U, SP2, PVN +++ 294,96 € sehr günstig 2,75%
Hallesche ++++ Primo.SB2 Z plus, PVN +++ 357,58 € günstig 2,5-2,75%
HUK-Coburg ++ SelectPro2, PVN ++++ 309,54 € sehr günstig 2,75%
PAX-Fam.fürs. +++ SelectU2, PVN ++++ 341,98 € günstig 2,75%
Provinzial +++++ VKA+u, KHPnu, KHUnu, PVN ++ 373,60 € günstig 2,75%
Signal Iduna ++++ KOMFORT1, PVN +++ 358,15 € günstig 2,75% -
Analysiert wurde der jeweils preisgünstigste Tarif, Einstiegsalter: 30 Jahre, 750 Euro Selbstbehalt, Zweibettzimmer, 8 % Zahnbehandlung, 60 % Zahnersatz.
Quelle: Morgen & Morgen
Was die Untersuchung offenbart: Die Zeit der Billigtarife ist vorbei. 525,68 Euro zahlt ein 30-jähriger Neukunde heute im Schnitt bei einem leistungsstärkeren Versicherer. Bei Anbietern, die ihre Kunden eher über den Preis locken, sind es immerhin noch 352,16 Euro. Noch vor ein paar Jahren lag die durchschnittliche Einstiegsprämie bei 30- bis 40-jährigen Männern um 100 Euro niedriger, im Extremfall gab es das Komplettpaket schon ab 150 Euro im Monat.

Viele dieser Angebote waren waghalsig knapp kalkuliert - ohne ausreichende Sicherheitspuffer. Der wahre Preis der Discountpolicen zeigte sich oft erst Jahre später, wenn sich die Prämien der einstigen Billigtarife in jährlichen Schritten von 10, 20 oder gar 30 Prozent verteuerten.

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH