Samstag, 28. Mai 2016

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Folgen einer Razzia K+S-Chef Steiner angeklagt - und AR-Chef Bethke gleich dazu

Versammlung vor Gericht: K+S-Chef Norbert Steiner und sein Chefkontrolleur Ralf Bethke

Inmitten des Übernahmekampfes um K+S im Herbst 2015 startete die Staatsanwaltschaft Thüringen eine Razzia bei dem Düngemittelkonzern. Als Abwehrmittel gegen Potash war die Debatte um Gewässerverschmutzung willkommen. Nun müssen sich jedoch K+S Chef Norbert Steiner und sein Chefkontrolleur Ralf Bethke vor Gericht verantworten.

Der K+S Vorstandsvorsitzende Norbert Steiner und der Aufsichtsratsvorsitzende des Dax -Konzerns, Ralf Bethke, sind wegen Gewässerverunreinigung und unerlaubten Umgangs mit Abfällen angeklagt worden. Die Anklage war bereits seit einiger Zeit bekannt, am Freitag bestätigte jedoch die Staatsanwaltschaft im thüringischen Meiningen, dass sich die Vorwürfe auch gegen die beiden Topmanager richten. Angeklagt sind insgesamt 14 K+S-Mitarbeiter, darunter auch weitere Vorstandsmitglieder, sowie zwei Mitarbeiter und ein ehemaliger Mitarbeiter des Thüringer Landesbergamtes. K+S wollte sich dazu am Freitag nicht äußern.

Besonders pikant ist das Verfahren, weil inmitten des Übernahmekampfes um K+S im September vergangenen Jahres die Vorwürfe der Umweltbehörden gegen den Düngemittelkonzern noch einmal aufgewärmt und die Thüringer Umweltbehörden mit einer Razzia bei K+S aktiv wurden. Der kanadische Konkurrent Potash hatte seinen feindlichen Übernahmeversuch im Oktober 2015 abgeblasen. Beobachter äußerten den Verdacht, die Vorwürfe seien bewusst lanciert worden, um eine unverdauliche "Gifpille" für den Angreifer Potash ins Spiel zu bringen. Nach der Absage von Potash war der Aktienkurs von K+S Börsen-Chart zeigenabgestürzt, zudem muss K+S seinen Platz im Dax Börsen-Chart zeigenräumen.

Streit um knapp 10 Millionen Kubikmeter Salzabwasser

Es geht bei dem Verfahren um 9,5 Millionen Kubikmeter Salzabwasser, das das Unternehmen von 1999 bis 2007 in den Erdboden gepumpt haben soll. Die Genehmigung dafür erteilte das Landesbergamt, obwohl aus Sicht der Ermittler die wasserrechtlichen Voraussetzungen nicht gegeben waren. Laut Staatsanwaltschaft muss zwischen K+S und den Behördenvertretern ein Einverständnis darüber bestanden haben, "dass die Genehmigungen rechtlich nicht zu vertreten gewesen sind".

Das Unternehmen hält die Vorwürfe für unbegründet und die erteilten Genehmigungen für rechtmäßig. Das Landgericht Meiningen muss nun prüfen, ob es ein Hauptverfahren eröffnet.

Auf den angeklagten K+S-Chef Norbert Steiner kommen unabhängig vom Ausgang des Verfahrens harte Zeiten zu: Er muss den Anteilseignern zeigen, dass der Konzern mehr wert ist als die von Potash in Aussicht gestellten 41 Euro je Aktie. Steiner hatte vor allem auf das milliardenschwere Minen-Projekt Legacy in Kanada verwiesen. Dort bauen die Kasseler derzeit eine neue Kali-Mine - quasi die Lebensversicherung für K+S.

K+S verkauft außer Speisesalz vor allem Auftausalz für die Straßensicherheit. Den Großteil ihres Gewinns machen die Kasseler allerdings mit der Produktion von Kali als Dünger für die Landwirtschaft. Hier gehört K+S zu den größten internationalen Kalianbietern. Bei einem Umsatz von 3,82 Milliarden Euro lag das bereinigte Konzernergebnis 2014 bei 366,6 Millionen Euro. Das Unternehmen beschäftigt rund 14.000 Mitarbeiter.

Razzia bei K+S: Nur eine Giftpille gegen Potash?

la/dpa/reuters

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