Mittwoch, 27. Juli 2016

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John Gutfreund Der "King of Wall Street" ist tot

Der König der Wall Street trifft den Präsidenten der USA: John Gutfreund (Mitte) mit Ronald Reagan, 1988
imago/ZUMA Press
Der König der Wall Street trifft den Präsidenten der USA: John Gutfreund (Mitte) mit Ronald Reagan, 1988

Für Businessweek war er der "King of Wall Street", für New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg ein "brillanter Mentor". John Gutfreund selbst hatte jedoch erhebliche Zweifel am eigenen Ruhm: "Wenn sie sich an mich erinnern", so der Gelobte 1996 in einem Interview, "dann nicht, weil ich Salomon Brothers zur Nummer 1 der Emissionsbanken der Welt gemacht habe, zur Nummer 1 der Marktmacher und Trader - sondern weil ich in einen Skandal verwickelt war."

Am Mittwoch ist Gutfreund, ehemals Chef der Investmentbank Salomon Brothers, im Alter von 86 Jahren verstorben. Unter seiner Ägide hatte sich die Bank in den frühen 80er Jahren zu einem der profitabelsten Investmenthäuser der Wall Street entwickelt.

Wegbereiter der Finanzkrise

Früh hatte Salomon Brothers etwa auf Hypotheken-Wertpapiere gesetzt - "The Big Short"-Autor Michael Lewis sieht die Bank daher als einen der Wegbereiter der weltweiten Finanzkrise. "Gutfreund schien es riechen zu können, wenn irgendwo Geld verloren wurde", zitiert Bloomberg Business aus einem weiteren Buch des Bestseller-Autors, der unter dem "King" bei Salomon Brothers gearbeitet hatte: "Er war die letzte Person, die ein angespannter Trader sehen wollte."

"John Gutfreund hat mich eingestellt und gefeuert - und ich bin ihm dankbar für beides", sagte Milliardär Michael Bloomberg über Gutfreund, unter dem er es bei Salomon Brothers bis zum Partner gebracht hatte. "Er war brillant, ehrlich, besorgt und streng, und sein Ruf als König der Wall Street war wohlverdient."

1978 hatte der einstige Trainee im Chefsessel der Investmentbank platzgenommen und sie in den Folgejahren zunächst an einen Wettbewerber verkauft, um später auch im nun fusionierten Unternehmen die Kontrolle zu übernehmen. Bis 1987 profitierte das Unternehmen stark vom Bullen-Markt der 80er.

Die Spitze der Nouveau Riche

Gemeinsam mit Ehefrau Susan Penn, einer früheren Schönheitskönigin, beherrschte Gutfreund auch New Yorks höhere Kreise: Gerüchte, dass Tom Wolfe ein Nouveau-Riche-Paar aus "Fegefeuer der Eitelkeiten" nach dem Vorbild der Gutfreunds skizziert habe, hat der Autor allerdings bestritten.

Entthront wurde König John schließlich 1991. Salomon Brothers hatte damals zugegeben, im Namen von Kunden Wertpapiergeschäfte getätigt zu haben, ohne dass diese vorher von den Kunden genehmigt worden seien. Paul Mozer, einem Untergebenen Gutfreunds, brachte dies mehrere Monate im Gefängnis ein; den Chef selbst kostete der Skandal den Job, 100.000 Dollar - und seinen Ruf.

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