Freitag, 1. Juli 2016

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Faule Kredite Investoren warnen vor 550-Milliarden-Dollar-Ölblase

Fracking hat den USA zur Renaissance als Energiemacht verholfen - jetzt drohen Probleme
Bruce Gordon / EcoFlight
Fracking hat den USA zur Renaissance als Energiemacht verholfen - jetzt drohen Probleme

Die ungezügelte Gier nach Öl droht sich bitter zu rächen: Weil der Ölpreis sinkt, geraten US-Förderfirmen in Schieflage, Investoren bangen um Anleihen in dreistelliger Milliardenhöhe. Schuld ist auch die Niedrigzinspolitik der Fed - es werden böse Erinnerungen an die Hypothekenkrise wach.

Hamburg - Viele vom Preisverfall gepeinigte US-Ölförderfirmen betteln bei ihren Banken zunehmend um Geld. "Die Frage ist: Wie lange halten die Banken diese Firmen am Leben", sagte Anwalt Francis Bradley. "Die Rettungsleine der Banken ist nicht unendlich lang."

Damit wachsen auch die Sorgen bei Investoren, die im großen Stil Anleihen von Firmen wie Quicksilver Resources Inc, Sanchez Energy Corp, Tervita Corp, Connacher Oil & Gas, Hercules Offshore oder Goodrich Petroleum gekauft haben. Der Energiesektor macht im etwa 1,38 Billionen Dollar großen US-Markt für Hochzinsanleihen etwa 16 Prozent aus.

Alleine Investmentfonds halten laut der Nachrichtenagentur Reuters Schuldpapiere aus der Branche im Wert von etwa 30 Milliarden Dollar. Sie verlieren rapide an Wert, weil der Ölpreis fällt.

Zunächst hatte der US-Ölboom viele Milliarden Dollar in die Hände der Explorationsfirmen gespült, befeuert durch die unkonventionelle Fördermethode Fracking. Seit 2010 haben Energiefirmen laut einer Studie der Deutschen Bank Anleihen in Höhe von 550 Milliarden Dollar ausgegeben. Doch um die renditehungrigen Anleger zu befriedigen, müssen die Unternehmen jetzt viel Öl zu einem hohen Preis verkaufen.

Und sie brauchen frisches Geld, um nach neuen Ölvorkommen zu bohren. Doch das bekommen sie womöglich nicht mehr, wenn der Preis im Keller bleibt. "Gerade dann, wenn die Firmen das Geld am dringendsten brauchen, ziehen die Banken die Reißleine", sagte Anleihemanager Jonathan Stanley.

Die Krise der Öl-Anleihen könnte auf Papiere aus anderen Branchen überspringen, warnen Marktteilnehmer in einem Artikel des Wall Street Journal (WSJ, €). "Die Ölpreise haben den Energiesektor gebrochen, und das überträgt sich auf andere Sektoren", sagte Anleihen-Investor Andrew Herenstein von Monarch Alternative Capital LP, einer der größten Investoren in notleidende Kredite.

Starinvestor Carl Icahn sieht in den Problemen der Ölpapiere einen Beleg für seine These, dass das Risiko am Markt für Hochzinsanleihen wächst. "Vor sechs Monaten hätten viele gesagt, alles ist in Ordnung", sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Nun gibt es viele Fragezeichen."

Zuletzt notierten Hochzinsanleihen in den USA um etwa 5,3 Prozentpunkte höher als Staatsanleihen. Noch im Juni waren es lediglich 3,2 Prozentpunkte. Seither haben Investoren mehr als 22 Millionen Dollar aus dem Segment abgezogen.

Ölquellen sind die neuen Schrottimmobilien

Wenn Investoren sich aus hochverzinsten Anleihen zurückziehen, gilt das als Warnsignal. In der Vergangenheit flüchteten sie später häufig auch aus Aktien, weil sie Risiken insgesamt neu bewerten.

Manche Marktteilnehmer sehen sich aufgrund neuer Marktregeln zudem stärker als früher gezwungen, Anleihen zu verkaufen. Das könne zu gefährlichen, so genannten "Fire Sales" führen. "Investoren müssen dann oft so viel verkaufen wie sie können, nicht wie sie möchten", sagte Anlagemanager Peter Tchir von Brean Capital dem WSJ.

Händler Rob Raymond von RCH Energy vergleicht die Lage bereits mit der Hypothekenkrise von 2008. "Was wir sehen, ist die Folge der Niedrigzinspolitik der Notenbank Fed", zitiert ihn der Fernsehsender CNBC. "Das was die Häuser in Florida und Arizona waren, sind jetzt die Ölquellen von North Dakota und Texas."

mit rtr

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