Freitag, 27. Mai 2016

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Neue Studie 86 Prozent der Fondsmanager in Europa verfehlen ihr Ziel

Angestrengtes Grübeln an der Börse Frankfurt: Die meisten Fondsmanager schaffen es nicht, den Markt zu schlagen

Die Branche der aktiv gemanagten Investmentfonds hatte es nicht leicht in den vergangenen Jahren. Immer wieder gibt es Studien und Stimmen, die die Qualität der Arbeit der Fondsmanager in Zweifel ziehen. Das Gros der Fondsmanager sei zu teuer, heißt es regelmäßig, angesichts der Tatsache, dass die meisten dieser Manager es nicht einmal schafften, ihre Benchmark, den Index also, an dessen Entwicklung sie sich messen lassen müssen, zu schlagen.

Erst kürzlich schlug zudem die europäische Finanzaufsicht ESMA Alarm: Viele Fondsmanager versuchten noch nicht einmal, besser zu sein als der Markt, so der Vorwurf der Aufseher. Sie bauten vielmehr die vorgegebenen Indizes eins zu eins nach und kassierten ihre hohen Gebühren mehr oder weniger für's Nichtstun.

Nutznießer solcher Berichte sind regelmäßig passive Fonds, die auf teure Fondsmanager von vornherein verzichten. Sie machen gezielt genau das, was die ESMA vielen angeblich aktiven Investmentfonds vorwirft: Sie bauen Indizes nach und liefern ihren Anlegern damit bei niedrigen Kosten ziemlich exakt die Performance, die der Markt hergibt.

Weltweit ist der passive Fondssektor in den vergangenen Jahren auf ein Volumen von mehreren Billionen Dollar rasant gewachsen.

"Wir sagen nicht, aktives Management ist tot"

Neue Erkenntnisse von S&P Dow Jones Indices dürften dem Vormarsch der passiven Fonds nun noch einmal Rückenwind geben. Denn eine Studie des Indexanbieters kam zu Zahlen, die noch dramatischer erscheinen, als jene, die bislang bereits kursierten: Der Untersuchung zufolge gelang es über die vergangenen zehn Jahre in Europa beinahe keinem einzigen Fondsmanager, seine Benchmark zu schlagen, wenn er in weltweite Aktien, in Schwellenländer-Aktien oder in US-Aktien investierte.

86 Prozent aller 25.000 von S&P Dow Jones Indices untersuchten aktiven Fonds verfehlten über den Zeitraum von zehn Jahren nach Abzug von Gebühren ihre Benchmark, zitiert die "Financial Times" aus der Studie. Beim Betrachtungszeitraum von fünf Jahren lagen immerhin 80 Prozent der Fonds unter der Messlatte.

Noch dramatischer sind die Zahlen in Bezug auf einzelne Segmente: 98,9 Prozent aller US-Aktienfonds schafften über die vergangenen zehn Jahre nicht ihre Benchmark. Bei Schwellenländer-Fonds lag die Quote bei 97 Prozent und bei weltweit investierenden Fonds bei 97,8 Prozent, schreibt die "FT" mit Verweis auf die Studie.

Schlecht sieht es auch für Anleger in bestimmten Ländern aus: Laut "Financial Times" verfehlten über einen Zeitraum von fünf Jahren in den Niederlanden 100 Prozent der betrachteten Fonds ihre Benchmark. In der Schweiz lag die Quote der Underperformer bei 95 Prozent und in Dänemark bei 88 Prozent.

"Wir sagen nicht, aktives Management ist tot", kommentiert Daniel Ung von S&P Dow Jones die Ergebnisse. "Aber die Fondsmanager müssen rechtfertigen, was sie tun." Laut Ung gibt es durchaus einige gute Manager in der Fondsbranche. "Aber sie sind nicht leicht zu finden", sagt der Marktbeobachter.


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