Donnerstag, 16. August 2018

Ebay-Europachef Jacob Aqraou "Wir wollen auf jedes Gerät"

Setzt auf grenzüberschreitenden Handel: Ebay-Europachef Jacob Aqraou

Ebay hat sich in Deutschland neu aufgestellt. Der Online-Marktplatz orientiert sich dabei an aufstrebenden US-Websites wie der Fotopinwand Pinterest oder dem lifestyligen Online-Händler Fab. Europachef Jacob Aqraou erklärt, was sich Ebay davon erhofft und wie er mit Media-Saturn ins Geschäft kommen will.

mm: Herr Aqraou, Sie sind jetzt seit elf Jahren bei Ebay. Erinnern Sie sich an das erste Produkt, das Sie über die Plattform gekauft haben?

Aqraou: Oh, das ist lange her. Warten Sie (Er überlegt). Ich weiß leider nur noch, welches Produkt ich als erstes bei Ebay verkauft habe. Das war einer meiner vielen Schlipse, den ich unbedingt loswerden wollte.

mm: War er so hässlich?

Aqraou: Nein, ich hatte einfach zu viele, weil ich sie bei meinem früheren Arbeitgeber gebraucht habe (Er zeigt auf seinen offenen Hemdkragen).

mm: Inzwischen hat sich vieles geändert. Ebay Börsen-Chart zeigen muss sich anpassen. In wie weit haben Websites wie die Fotopinwand Pinterest, das Freundenetzwerk Facebook oder der LIfestyle-Händler Fab den neuen, auf Bilderwelten statt Produktschlagworte setzenden Ebay-Auftritt beeinflusst, den Sie jetzt auch in Deutschland umsetzen?

Aqraou: Ich glaube, dass weniger die genannten Websites uns beeinflusst haben als vielmehr das Verhalten der Menschen. Es geht darum, wie wir heute mobile Geräte wie das iPad nutzen. Pinterest hat das früh erkannt, wir haben es bei der Analyse unserer Kunden ebenso gesehen. Und jeder hat es auf seine Weise aufgegriffen. Wir haben zum Beispiel schon im vergangenen Jahr in den USA den Feed eingeführt...

mm: ...der Ebay-Kunden schon auf dem Startbildschirm eine Art Fotoalbum mit jenen Produkten präsentiert, für die sie sich interessieren oder interessieren könnten.

Aqraou: Ja, und das haben wir jetzt auch in Deutschland eingeführt. Vor allem Frauen haben ihr Einkaufsverhalten durch das iPad stark verändert. Sie wollen nichts eingeben, sie wollen nichts suchen, sie wollen inspiriert werden. Es geht nicht darum, brauche ich das, sondern liebe ich das?

mm: Es geht also um Impulskäufe, was in den USA, schenkt man den Zahlen Glauben, für Ebay schon ganz gut funktioniert. Pinterest und Co. spielen aber zum Beispiel in Deutschland kaum eine Rolle. Lassen sich in den USA entwickelte Konzepte einfach auf Europa übertragen oder passen Sie diese an?

Aqraou: Das machen wir. Und zwar nicht nur im Hinblick auf europäische, sondern im Hinblick auf Länderanforderungen. In Deutschland ist zum Beispiel auffällig, dass viele Nutzer dazu übergehen, ihre Handykameras zu nutzen, um Dinge zu verkaufen. Es gibt einen sehr großen Anteil an Privatverkäufern in Deutschland, weshalb wir unsere Apps hier auch entsprechend angepasst haben.

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