Freitag, 22. Februar 2019

Ebay-Europachef Jacob Aqraou "Wir wollen auf jedes Gerät"

Setzt auf grenzüberschreitenden Handel: Ebay-Europachef Jacob Aqraou

3. Teil: Deutschlands Angebotsüberhang nach Europa tragen

mm: Ist es nicht ein bisschen riskant für Ebay, Partnerschaften mit Handelsketten einzugehen? Schließlich geht es der Branche schlecht. Die Metro Börsen-Chart zeigen, zu der ja auch die Media-Saturn-Märkte gehören, ist 2012 gar aus dem Dax Börsen-Chart zeigen geflogen.

Aqraou: Ich glaube, dass genau da die Partnerschaft zum Tragen kommt. Für den Online-Handel gilt meiner Ansicht nach, dass es einer Offline-Komponente bedarf. Viele Verbraucher wollen ihre Waren offline abholen, sie wollen sie offline zurückgeben. Sie wollen Zugang zu den Services haben, die offline existieren. Wir können das unseren Käufern anbieten. Metro hingegen erweitert durch uns die eigene Reichweite.

mm: Glauben Sie, dass der Offline-Handel sich erholt?

Aqraou: Ich glaube, dass sich Offline- und Online-Handel nicht mehr voneinander trennen lassen. Die beste Einkaufserfahrung wird gemacht, wenn beide verbunden sind. Nehmen Sie unsere Kooperation mit Macy's in den USA. Dort können Sie im Park sitzen, gleichzeitig bei Macy's etwas kaufen und dann nach Hause gehen, wo die Waren ihnen eine Stunde später geliefert werden. Bequemlichkeit spielt dabei eine wichtige Rolle.

mm: Die Hinwendung zum klassischen Einzelhandel und die Priorisierung des mobilen Handels sind Strategien, die stark vom US-Markt getrieben werden. Welche Themen beschäftigen Sie speziell in Europa?

Aqraou: Da würde ich als erstes den grenzüberschreitenden Handel nennen. Wir haben eine hohe Nachfrage in Ländern wie Frankreich und Spanien auf der einen Seite, und wir haben einen Angebotsüberhang auf Seiten Deutschlands. Diese beiden Seiten müssen besser miteinander verknüpfen. Hier sehen wir Potenzial.

mm: Weltweit werden laut Ebay rund 20 Prozent aller Waren über Ländergrenzen hinweg verkauft. Liegt dieser Prozentsatz in Europa niedriger?

Aqraou: Nein. Aber die Unterschiede zwischen einzelnen Ländern sind schon groß. So ist es zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten zum Beispiel durchaus möglich, wenn ein Kunde morgens ein Produkt bei Ebay bestellt, dass er dieses am nächsten Tag zugestellt bekommt. Innerhalb Europas ist das bislang häufig nicht möglich. Vor dem Hintergrund, dass die Europäische Union eine große Freihandelszone ist, ist das schon verwunderlich.

mm: Wie wollen Sie das ändern?

Aqraou: Ein Knackpunkt ist die Sprache. Wir wollen es ermöglichen, dass ein Verkäufer sein Produkt auf Deutsch einstellt, ein Spanier das Angebot aber gleichzeitig in seiner Sprache lesen kann. Übersetzung ist also das eine. Das zweite sind Währungen und Bezahldienste. Wir haben Pfund, Euros, Franken oder Kronen. Als Verkäufer müssen Sie zudem in der Lage sein, Ihren Inventarbestand länderübergreifend zu koordinieren. Zuletzt gibt es auch noch ein paar logistische Herausforderungen. Da werden wir künftig verstärkt mit Partnern zusammenarbeiten.

Stuffle, Shpock und Co.: Ebays Erben

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