Freitag, 22. Februar 2019

Ebay-Europachef Jacob Aqraou "Wir wollen auf jedes Gerät"

Setzt auf grenzüberschreitenden Handel: Ebay-Europachef Jacob Aqraou

2. Teil: Digitale Produkte noch ein weißer Fleck

mm: Smartphones und Tablets üben inzwischen einen großen Einfluss auf das Einkaufsverhalten der Menschen aus. Werden Smartwatches und Smartglasses das auch tun?

Aqraou: Jedesmal wenn etwas Neues präsentiert wird, seien es Smartwatches oder auch vernetzte Autos, wird unser Angebot in einem anderen Zusammenhang genutzt. Wir sehen dabei vor allem die neuen Kundensegmente, die durch solche Geräte und Technik erschlossen werden. Für Samsungs jüngst präsentierte Smartwatch "Galaxy Gear" haben wir zum Beispiel schon eine App entwickelt. Und ich gehe davon aus, dass wir hier aus demografischer Sicht auf eine sehr viel jüngere Käuferschaft treffen, als dies beim Smartphone der Fall ist.

mm: Amazon Börsen-Chart zeigen hat mit dem Kindle-Portfolio eine Reihe von E-Readern und Tablets am Markt. Warum gibt es kein Ebay-Tablet, auf dem Ihre Apps bereits vorinstalliert sind?

Aqraou: Wir folgen einer anderen Geschäftsphilosophie. Wir sind primär ein Marktplatz, haben keinen eigenen Warenbestand und wollen nicht die ganze Wertschöpfungskette kontrollieren. Andere Anbieter wollen die Waren besitzen, sie in ihren Warenlagern deponieren, sie auf ihren Geräten verkaufen. Das ist nicht unser Ansatz. Wir sind ein Technologieunternehmen, das es Menschen möglich macht, Handel zu treiben. Wir wollen auf jedes Gerät. Wir wollen, dass jeder unsere Plattform nutzen kann, ob er offline oder online verkauft, egal wo sich die Kunden gerade befinden und welche Geräte sie nutzen.

mm: Mit den Tablets, Smartphones und Smartwatches drängen allerdings immer mehr digitale Produkte wie Videos, Musik, Computerspiele oder E-Books in den Vordergrund. Solche digitalen Produkte sind für Ebay ein weißer Fleck. Stecken Sie da im Vergleich zu Amazon Börsen-Chart zeigen, Google Börsen-Chart zeigen oder Apple Börsen-Chart zeigen mit ihren Ökosystemen und Online-Stores nicht in einem strategischen Dilemma?

Aqraou: Ich wüsste nicht, warum wir nicht auch digitale Produkte verkaufen sollten. Man muss kein Endgerätehersteller sein, um digitale Produkte zu verkaufen. Nehmen Sie elektronische Bücher. Es gibt sie im PDF-Format oder in speziellen E-Reader-Formaten. Trotzdem werden sie auf das iPad heruntergeladen. Sie brauchen also nur eine Software, die mit den Formaten umgehen kann. Die Dateien selbst sind unabhängig vom Gerät nutzbar. Um etwas zu verkaufen, muss man nicht alles vom Lager bis zum Zustellservice unter dem eigenen Dach vereinen.

mm: In den USA kooperieren Sie schon länger mit großen Handelsketten wie Macy's und Toys 'r' Us. In Deutschland haben Sie jetzt ein Projekt mit Media-Saturn angestoßen. Wie verdienen beide Seiten bei diesen Partnerschaften Geld?

Aqraou: Das Modell ist fast überall dasselbe. Die Händler stellen ihre Waren bei Ebay ein, und wenn etwas verkauft wird, bekommen wir eine Gebühr. In einigen Ländern haben wir zusätzlich die Option geschaffen, dass Sie Waren online bestellen und anschließend im Geschäft abholen können. In Großbritannien testen wir darüber hinaus gerade ein neues Projekt mit dem Einzelhändler Argos, der rund 740 Läden in Großbritannien betreibt. In 150 dieser Läden haben wir die Möglichkeit geschaffen, Waren von insgesamt 50 verschiedenen Händlern abzuholen. So können Sie zum Beispiel neun verschiedene Dinge von sieben verschiedenen Händlern kaufen und diese später alle in einem Argos-Laden abholen.

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