Freitag, 15. Dezember 2017

Drei Billionen Dollar in Sicht Indexfonds weltweit erstmals größer als Hedgefonds

Rohstoffbörse in Chicago: Per Indexfonds lässt sich in Aktien, Rohstoffe und andere Assets investieren

Es ist ein Moment mit Symbolwert: Erstmals verwalten börsengehandelte Indexfonds, sogenannte ETFs oder ETPs, weltweit mehr Geld als Hedgefonds. Wie die Analysefirma ETFGI ermittelt hat, steckten Ende des zweiten Quartals in sämtlichen mehr als 5800 ETFs und ETPs zusammen 2,971 Billionen US-Dollar (2,73 Billionen Euro). Gleichzeitig befinden sich die Assets der insgesamt rund 8500 Hedgefonds rund um den Globus nach Angaben von Hedge Fund Research (HFR) bei zusammen 2,969 Billionen Dollar ebenfalls auf Rekordniveau.

Hintergrund des Wachwechsels ist das enorme Wachstum der Indexfonds, die sich wegen ihrer geringen Kosten und guten Handelbarkeit besonders bei institutionellen Investoren nach wie vor wachsender Beliebtheit erfreuen. Laut Blackrock, dem größten ETF-Anbieter der Welt, legt das Volumen in dem Segment gegenwärtig um 20 Prozent pro Jahr zu. Nach Angaben von ETFGI stieg das Gesamtvolumen allein seit Ende März 2015 um 54 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Hedgefonds legten laut HFR im gleichen Zeitraum um lediglich 21,5 Milliarden Dollar zu.

Die US-Großbank Goldman Sachs erwartet, dass das von ETFs verwaltete Vermögen bis 2020 weltweit auf sechs Billionen Dollar (5,4 Billionen Euro) steigen wird.

Die Investoren blicken jedoch nicht nur auf die Kosten. Entscheidend ist der Vergleich der Erträge, die unter dem Strich stehen. Wie ETFGI mitteilt, brachte es der HFRI Fund Weighted Composite Index für Hedgefonds im ersten Quartal 2015 auf ein Plus von gerade mal 2,3 Prozent. Der breit gestreute US-Aktienindex S&P 500 legte im gleichen Zeitraum um 1 Prozent zu.

Das heißt: Den Hedgefonds-Managern gelang im Schnitt eine Überperformance von lediglich 1,3 Prozentpunkten. Noch schlechter lief es im Vorjahr. 2014 legte der S&P 500 um 13,7 Prozent zu, der HFRI jedoch brachte es über das Jahr auf lediglich 3,3 Prozent.

Und das, obwohl sie sich für ihre Arbeit in der Regel recht großzügig entlohnen lassen. Üblich ist in der Branche die Regel "2/20", wonach 2 Prozent des verwalteten Vermögens sowie 20 Prozent der Profite an den Manager wandern.

ETFs und ETPs dagegen sind deutlich günstiger. Laut ETFGI liegt der durchschnittliche jährliche Kostensatz bei etwa 0,3 Prozent des verwalteten Vermögens. Dafür erhält der Investor zwar keine Überperformance. Er bekommt aber mit großer Sicherheit exakt die Wertentwicklung der gewählten Benchmark. Denn die Indexfonds machen per Definition genau nach, was der Index, an dem sie sich orientieren, vormacht.

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Hinzu kommt: ETFs und ETPs können je nach Belieben täglich ge- und verkauft werden. Hedgefonds dagegen verdonnern ihre Kunden meist zu längeren Haltefristen.

Alles in allem erachten offenbar immer mehr Anleger das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Indexfonds als attraktiver. Da wundert es auch nicht, wenn aktivistische Investoren wie der Amerikaner Carl Icahn der passiven Konkurrenz beispielsweise in Person von Blackrock-Chef Larry Fink mitunter recht aggressiv gegenüber treten.


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