Mittwoch, 19. September 2018

Folge des Preisbooms Wohnungen und Häuser schützen kaum noch vor Inflation

Neubauten im thüringischen Bad Colberg-Heldburg: Die Preisanstieg der vergangenen Jahre haben vielerorts die Renditen sinken lassen.

Die Immobilie als Lieferant zwar nicht gigantischer, aber doch zuverlässiger Renditen? Als Schutz gegen die Inflation noch dazu? Diese Eigenschaften werden Wohnungen und Häusern im Allgemeinen zugesprochen, von Investoren, die sie als Anlageobjekt wählen. Oft dürfte es sich dabei um zwei der wichtigsten Anlagemotive überhaupt handeln.

Eine aktuelle Studie zeigt nun aber: Nach dem Boom, den der Immobilienmarkt in Deutschland in den vergangenen Jahren erlebt hat, sind die Preise vielerorts auch im Vergleich zu den erzielbaren Mieten so stark gestiegen, dass sowohl die Rentabilität als auch der unterstellte Schutz gegen die allgemeine Geldentwertung bei Wohnimmobilien hierzulande kaum noch gegeben sind.

Der Untersuchung der Immobilienberatungsgesellschaft Bulwiengesa zufolge sind die Renditen, die sich mit Wohnimmobilien in den großen deutschen Städten - den sogenannten A-Standorten - erzielen lassen, mittlerweile auf 1,9 bis 2,6 Prozent zurückgegangen. Was zudem eine neue Entwicklung darstellt: Auch in kleineren Städten, wo die geringere Nachfrage sowie das höhere Investmentrisiko bislang noch für vergleichsweise auskömmliche Renditen gesorgt hatten, hat der Druck offenbar enorm zugenommen. Laut Bulwiengesa sank die Rendite für Wohnungen und Häuser in diesen "B-Städten" erstmals unter die 3-Prozent-Marke. Sie liege jetzt bei 2,8 bis 3,3 Prozent, so die Angaben.

Da zugleich die Inflationsrate seit einiger Zeit wieder ansteigt und in Deutschland das Niveau von rund 2 Prozent bereits wieder erreicht hat, ist die Botschaft für Geldanleger klar: Die Renditen von Wohnimmobilien liegen im Schnitt nur noch knapp über der Inflation, von einer realen Renditeerzielung kann kaum noch die Rede sein.

"Das erneute Absinken der Renditen zeigt: Viele Investoren haben es zunehmend schwer, ihr Mindestziel des Inflationsschutzes zu erreichen", bestätigt Sven Carstensen, Niederlassungsleiter von Bulwiegesa in Frankfurt und Autor der Studie. Er erwartet, dass die angespannte Lage auf den Wohnungsmärkten vorläufig anhält und sich auch am derzeitigen Preisniveau zumindest in den Großstädten nichts ändern wird.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Die Übersicht von Bulwiengesa zeigt: Mit ihren 2 bis 3 Prozent Rendite markieren Wohnimmobilien das untere Ende der Renditeskala im Immobilienbereich insgesamt, und das, obwohl die Renditen laut Studie im vergangenen Jahr noch einmal nahezu flächendeckend gesunken sind. Sowohl Büros als auch Industrie- oder Logistikgebäude, Hotels oder ähnliches erscheinen demnach jedoch attraktiver aus Investorensicht.

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