Dienstag, 26. Juli 2016

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Fondsriese Apollo kauft 14 Frachtschiffe Finanzinvestoren spekulieren auf Ende der Schifffahrts-Krise

Wartende Schiffe vor Singapur: Apollo kauft bei Ideenkapital-Fonds günstig weitere Frachter ein

Seit Monaten jagen Finanzinvestoren nach Schnäppchen im kriselnden Schiffsmarkt. Der US-Fondsriese Apollo schlägt jetzt erneut zu: Für mehr als 200 Millionen Dollar übernimmt er 14 Frachter aus Schiffsfonds des Emissionshauses Ideenkapital.

Hamburg - Seit Monaten befinden sich Finanzinvestoren aus aller Welt auf Schnäppchenjagd am Schiffsmarkt - jetzt ist wieder einer fündig geworden: Wie manager magazin online erfuhr, erwirbt ein Fonds des US-Investmenthauses Apollo Global Management auf einen Schlag 14 Frachtschiffe aus Schiffsfonds des Düsseldorfer Emissionshauses Ideenkapital. Die Transaktion hat ein Volumen von mehr als 200 Millionen Dollar. Die Anleger der 13 Fonds, die die Schiffe bislang hielten, sollen in den kommenden Tagen darüber unterrichtet werden.

Die fraglichen Schiffsfonds hatte Ideenkapital, eine Tochter der Ergo-Versicherung, vor Jahren unter dem Label "Navalia" auf den Markt gebracht. Etwa 6500 Anleger hatten sich ursprünglich mit zusammen rund 220 Millionen Euro Eigenkapital an den Schiffen beteiligt. Inklusive Krediten betrug das Investitionsvolumen schätzungsweise 500 Millionen Euro.

Jetzt werden mit Ausnahme eines Frachters sämtliche Schiffe der Navalia-Flotte auf einen Schlag verkauft, und zwar aufgrund der Marktkrise zu deutlich gesunkenen Preisen: Nach Informationen von manager magazin online steckt der Apollo-Fonds 57,5 Millionen Dollar eigenes Geld in den Deal. Weitere 147 Millionen Dollar werden von der NordLB sowie der Warburg Bank zu ungefähr gleichen Teilen als Kredit zur Verfügung gestellt.

Den Verkauf der Schiffe - es handelt sich um Spezialtanker und Massengutfrachter - hatten die Anleger bereits Anfang dieses Jahres beschlossen. Zuvor waren die Fonds in der weltweiten Schifffahrtskrise in Schieflage geraten. Auch der Versuch, die Beteiligungsgesellschaften durch Nachschüsse seitens der Investoren am Leben zu halten, war gescheitert.

Apollo kalkuliert mit 12 Prozent Rendite

Nach Informationen von manager magazin online erwirbt der Apollo-Fonds die Schiffe im Rahmen eines "strukturierten Verkaufskonzeptes", wie es bereits zur Beschlussfassung im Dezember 2013 gegenüber den Anlegern beschrieben worden war. Das heißt: Gezahlt wird zunächst nur ein Kaufpreis in Höhe der Restschuld, die noch auf dem jeweiligen Schiff liegt. Für die Eigenkapitalgeber - also die Anleger - springt daher bei dem Deal kein unmittelbarer Erlös heraus. Dafür bleiben sie jedoch am Betrieb der Schiffe beteiligt.

Und zwar so: Künftig werden die Einnahmen zunächst in einem Pool gebündelt. Davon werden zunächst laufende Kosten gegenüber Lieferanten oder Banken beglichen. Als nächstes kalkuliert der Käufer Apollo mit einer Verzinsung seines Einsatzes in Höhe von 12 Prozent.

Sollte darüber hinaus noch etwas übrig sein, partizipieren schließlich auch die bisherigen Fondsanleger. Geplant war ursprünglich eine Aufteilung der weiteren Gelder im Verhältnis 60 (Investor) zu 40 (Anleger). Dies wurde aber von Seiten Ideenkapitals erfolgreich nachverhandelt, so dass nun im Verhältnis 55 (Anleger) zu 45 (Apollo) geteilt wird.

Ob die Altanleger der Ideenkapital-Fonds auf dieser Grundlage tatsächlich Rückflüsse erhalten werden, erscheint allerdings zumindest in nächster Zeit fraglich. Der Schiffsmarkt steckt weiterhin in der Krise, viele Frachter erwirtschaften kaum ihre Betriebskosten. Insgesamt mehr als 400 Schiffsfonds haben inzwischen Insolvenz beantragt. Fachleute erwarten kaum eine echte Besserung der Lage vor 2016 - und bis dahin dürfte auch kaum Geld an die Ideenkapital-Kunden fließen.

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