Montag, 21. August 2017

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HSH-Vorstand vor Gericht Dr. No und der ominöse Omega-55-Deal

HSH-Prozess: Banker auf der Anklagebank
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Es könnte der Wirtschaftsprozess des Jahres werden: Erstmals steht in Deutschland der gesamte ehemalige Vorstand einer Bank vor Gericht. Dirk Nonnenmacher und fünf andere Ex-Manager der HSH Nordbank sind wegen Untreue und Bilanzfälschung angeklagt.

Hamburg - Auf diesen Moment hat er lange gewartet: Am 31. März 2009 reichte Gerhard Strate Anzeige gegen die führenden Köpfe der HSH Nordbank ein. Erst heute - mehr als vier Jahre danach - stehen die Banker tatsächlich vor Gericht. Für den Hamburger Anwalt, einen der prominentesten Strafverteidiger der Bundesrepublik, geht sein Feldzug gegen einige der mutmaßlichen Verantwortlichen der Finanzkrise damit endlich in die Schlussphase.

Auch fünf Jahre nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers und folgenden dramatischen Rettungen deutscher Banken mit Milliarden von Steuergeldern fällt die juristische Aufarbeitung der Finanzkrise mager aus. "Bislang wurde kein einziger Banker wegen Untreue im direkten Zusammenhang mit der Finanzkrise verurteilt oder freigesprochen", sagt Christian Schröder, Professor für Kapitalmarktstrafrecht von der Universität Halle-Wittenberg.

Das soll sich nun ändern. Erstmals steht eine gesamte ehemalige Vorstandsriege in Deutschland vor Gericht. Die Anklage lautet auf schwere Untreue und Bilanzfälschung. Den Ex-Landesbankern drohen Haftstrafen bis zu zehn Jahren. Keine Frage: Es könnte der Wirtschaftsprozess des Jahres werden. Über 600 Seiten ist die Anklageschrift dick. Die Staatsanwälte mussten sich durch Unmengen von Daten wühlen. Hypothekenhandel, strukturierte Portfolios, Conduits - hochkomplex waren die Geschäfte der Landesbank, an der das Institut beinahe zugrunde gegangen wäre.

Codename Omega 55

Beim Prozessauftakt im Saal 300, dem größten im Strafjustizgebäude des Hanseatischen Oberlandesgerichts, steht ein Mann im Mittelpunkt: Dirk Jens Nonnenmacher, genannt "Dr. No", nach dem Bösewicht aus dem James-Bond-Film. Der Mathematikprofessor mit dem streng zurückgekämmten Haar ist für viele Deutsche so etwas wie die personifizierte Finanzkrise.

Nonnenmacher stand vom November 2008 bis März 2011 an der Spitze der HSH und polarisierte wie kaum ein zweiter Banker. Er bestand auf Bonuszahlungen und kassierte eine Abfindung in Millionenhöhe. In seiner Amtszeit verstrickte sich die Bank in eine Reihe von Affären. Ein Vorstand wurde zu Unrecht entlassen, ein anderer hoher Mitarbeiter in New York mit falschen Kinderporno-Vorwürfen konfrontiert. Lange hielt Aufsichtsratschef Hilmar Kopper an Nonnenmacher fest, doch auf Druck der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein musste er am Ende gehen.

Im Zentrum der Anklage gegen die ehemaligen HSH-Vorstände steht ein Überkreuzgeschäft unter dem Codenamen Omega 55, das nach Darstellung der Staatsanwaltschaft einen Millionenschaden verursacht hat. Omega ist der Name einer Zweckgesellschaft, die von der HSH Nordbank gemeinsam mit der französischen Großbank BNP Paribas gegründet worden war. In dieses Finanzvehikel hatte die HSH Immobilienkredite im Volumen von zwei Milliarden Euro eingebracht und musste sie dadurch nicht mehr mit Eigenkapital unterlegen.

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