Montag, 29. August 2016

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Börsencrash Jetzt starten die Helikopter

Das letzte Mittel der Notenbanken: Am Ende werden sie zum Helikoptergeld greifen, also der direkten Finanzierung von Staatsausgaben durch die Notenbanken, um auf diese Weise die Wirtschaft zu stimulieren und zugleich Inflation zu erzeugen. Nur so lässt sich vor dem Zusammenbruch des Schuldengebäudes noch Zeit kaufen

An den Finanzmärkten steht das Endspiel bevor: Jeder gegen Jeden und der Einsatz der Helikopter. Vielleicht gelingt es Politik und Notenbanken in einem letzten Kraftakt, das Unvermeidliche nochmals zu verschieben.

Regelmäßige Leser meiner Kommentare bei mm online kennen meine Sicht auf die Weltwirtschaft: dreißig Jahre Leben auf Pump fordern ihren Tribut. Der inflationären Geld- und Vermögensvermehrung folgt die deflationäre Geld- und Vermögensvernichtung. In Europa noch zusätzlich durch das Schauspiel "Eurokrise" ergänzt, die wiederum nichts anders ist, als eine regionale Schuldenkrise verstärkt durch unflexible Wechselkurse und unfähige Politiker.

Nun steht uns das Endspiel bevor: der Kampf Jeder gegen Jeden und der Einsatz der Helikopter. Vielleicht gelingt es Politik und Notenbanken in einem letzten Kraftakt, das Unvermeidliche nochmals zu verschieben. Verhindern können sie es schon lange nicht mehr.

Daniel Stelter
Nur kurz die Fakten: Die Schulden der Welt wachsen seit Jahrzehnten viel schneller als die Wirtschaftsleistung. Die Dimensionen sind gewaltig, wie die Unternehmensberatung McKinsey im Frühjahr 2015 vorrechnete. Demnach sind die Schulden von Staaten (9,3 Prozent p. a.), privaten Haushalten (2,8 Prozent p.a.) und Nicht-Finanzunternehmen (5,9 Prozent p.a.) seit 2007 weltweit weiterhin drastisch und immer noch schneller als die Wirtschaft gewachsen.

Dabei haben Unternehmen ungefähr im selben Maße neue Schulden wie im Zeitraum von 2000 bis 2007 gemacht, private Haushalte deutlich weniger (vor der Krise waren es 8,5 Prozent pro Jahr) und die Regierungen deutlich mehr (bis 2007 "nur" 5,8 Prozent pro Jahr). Letztere haben damit die geringere Neuverschuldung der privaten Haushalte und die damit wegfallende Zusatznachfrage durch eigene Schulden kompensiert. Das geht auf Dauer nicht gut.

Verschuldung in China hat sich seit 2008 versiebenfacht

Das Gleiche gilt übrigens für die Länder der Eurozone. In keinem Land liegt die Gesamtverschuldung unter dem Niveau von 2008. Bei einigen Ländern hat sich die Struktur der Verschuldung geändert, so zum Beispiel in Spanien, wo geringeren Schulden der privaten Haushalte deutlich höhere Schulden des Staates entgegen stehen. Wir haben also - allen beschönigenden Aussagen der Politik zum Trotz - weiter gemacht wie zuvor. Von Sparen kann keine Rede sein.

Neue Schulden hatten eine immer geringere Wirkung auf das Wachstum. Bewirkte ein US-Dollar neue Schulden in den 1960er-Jahren noch rund 80 Cent mehr BIP, so sank der Wert auf 30 Cent in den 1990er-Jahren und auf rund zehn Cent seit dem Jahr 2000.

China hat die Entwicklung von uns in viel kürzerer Zeit nachvollzogen. Alleine in den letzten sieben Jahren hat sich dort die Verschuldung auf 28 Billionen US-Dollar versiebenfacht. Mindestens 6,8 Billionen dürften dabei in den Sand gesetzt worden sein, für leere Städte und nicht benötigte Kapazitäten. Auch hier ist der Grenznutzen neuer Schulden drastisch gefallen.

Neue Schulden bedienen alte Schulden - und fördern nicht mehr das Wachstum

Hier liegt die entscheidende Ursache für den zunehmenden deflationären Druck und das immer geringere Wachstum der hoch verschuldeten Länder und der Weltwirtschaft insgesamt. Der größte Teil der neuen Schulden dient nur noch dazu, die Zinsen auf den alten Schulden zu bedienen, aber nicht mehr um Nachfrage zu generieren. Die vorhandenen Überkapazitäten führen zu fallenden Preisen, weil Schuldner Liquidität um jeden Preis beschaffen und Vollkosten dabei keine Rolle spielen.

Die Notenbanken, die erhebliche Mitschuld an der Krise tragen, weil sie immer wieder das Geld noch billiger gemacht haben, sobald eine kleine Rezession oder fallende Aktienmärkte drohten, haben in den letzten Jahren mit aller Kraft gegen diese deflationäre Welle angekämpft. Die Notenbankbilanzen haben sich vervielfacht, ohne jedoch die Realwirtschaft nachhaltig zu beleben. Noch nie standen wir nach rund sieben Jahren Aufschwung so schlecht da wie heute. Das Zinsniveau ist schon bei Null, die Staatsfinanzen keineswegs ausgeglichen - wenn man von Deutschland absieht, wobei auch dies keine Sparleistung ist, sondern nur die Folge der tiefen Zinsen.

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