Donnerstag, 25. August 2016

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Prozess gegen Ex-Wölbern-Chef Schulte Zur Begrüßung zwei Anträge auf Befangenheit

Picobello Auftritt und Händekneten: Heinrich Maria Schulte vor Gericht
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DPA

Ein adretter Angeklagter, eine zahlenschwangere Anklageschrift und zwei bemerkenswerte Befangenheitsanträge - in Hamburg begann am Montag der Prozess gegen Heinrich Maria Schulte, Ex-Chef des Fondshauses Wölbern Invest. Es geht um 150 Millionen Euro. Bis zu 40.000 Anleger sind betroffen.

Hamburg - Kerzengerade die Haltung, millimetergenau die Frisur, picobello der Anzug - der Mann, der dort mitten im Saal 337 des Landgerichts am Hamburger Sievekingplatz 3 steht, sieht aus, als käme er direkt aus dem Urlaub. Kommt er aber nicht: Heinrich Maria Schulte hat die vergangenen acht Monate wenige Meter entfernt in Untersuchungshaft verbracht.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, fast 150 Millionen Euro aus geschlossenen Fonds des Emissionshauses Wölbern Invest veruntreut zu haben. Am Montag begann in Hamburg der Prozess gegen ihn.

So viel steht fest: Sollte Schulte auch nur eine Spur von Nervosität verspüren, aufgrund der durchaus schwerwiegenden Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, so versteht er das gut zu verbergen. Mit demonstrativer Ruhe lässt er seinen Blick durch den Raum schweifen, tuschelt gelegentlich mit seinen Anwälten und lächelt einmal sogar ins Publikum, als er dort offenbar ein vertrautes Gesicht erblickt. Nur das unablässige Kneten seiner Hände lässt Anspannung erahnen.

Viele Dutzend Augenpaare richten sich an diesem Montag auf Schulte. Bis zu 40.000 Geldanleger sollen durch sein Handeln zu Schaden gekommen sein - viele von ihnen haben sich offenbar am Montag auf den Weg zum Gericht gemacht. Hinzu kommen Anwälte, Medienvertreter, Schaulustige. Schon mehr als eine Stunde vor Prozessbeginn sammeln sich die ersten Neugierigen vor dem Verhandlungssaal.

Zwei Befangenheitsanträge von der Verteidigung

Um 13.08 Uhr eröffnet der Vorsitzende Richter Hartmut Loth die Verhandlung - und wird sogleich von Schultes Verteidiger, dem Hamburger Wolf Römmig unterbrochen. Zwei Befangenheitsanträge stellt die Verteidigung gegen das Gericht. Zum einen sei einer der Richter voreingenommen, weil sein Vater in seiner Funktion als Richter am Oberlandesgericht vor einigen Wochen über die Haftverlängerung Schultes entschieden habe.

Zum anderen habe sich das Gericht nicht ausreichend in die Akten eingearbeitet und folge stattdessen allzu sehr der von der Staatsanwaltschaft vorgegebenen Richtung.

Die Zahlen, die Schultes Anwälte bei der Gelegenheit verlesen, lassen den Umfang dieses Wirtschafts-Strafverfahrens erahnen. Von 472.500 Blatt Papier ist da die Rede, von 1,3 Terabyte Datenmaterial und von 127 Umzugkartons voll mit sichergestellten Materialien, von denen - laut Verteidigung - erst 19 überhaupt geöffnet worden seien.

Ob dem tatsächlich so ist und ob sich daraus eine Befangenheit ableiten lässt, die einen Austausch der Richter erforderlich machen würde, müssen nun andere Juristen des Landgerichts entscheiden. Der aktuell vorsitzende Richter Loth jedenfalls verkündet nach kurzer Beratung, man werde zunächst mal weitermachen, und zwar mit der Verlesung der Anklage.

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