Donnerstag, 26. April 2018

Interview mit der aktivistischen Investorin Anne-Sophie d'Andlau "Deutschland ist zu clubby"

Anne-Sophie d'Andlau, Pariser Hedgefondsmanagerin und Mitgründerin von CIAM: "Wir verstehen uns als Gegenmacht zum gut organisierten Establishment."
Dominik Asbach für manager magazin
Anne-Sophie d'Andlau, Pariser Hedgefondsmanagerin und Mitgründerin von CIAM: "Wir verstehen uns als Gegenmacht zum gut organisierten Establishment."

Aggressive Investoren attackieren große Mittelständler wie Wirecard, Ströer oder Stada und der Hedge-Fonds TCI versucht den Sturm auf VW. Vor allem die Briten sind ein Vorbild für Anne-Sophie d'Andlau. Die Französin hat sich mit Disney und Chinas Fosun angelegt. Nun will sie sich deutsche Konzerne vorknöpfen.

Gefunden in
portfolio
Mai 2016

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portfolio: Frau d'Andlau, stimmt es, dass der Brite Chris Hohn Ihr großes Vorbild ist?

Anne-Sophie d'Andlau: Wir spenden 25 Prozent der Verwaltungsgebühr an wohltätige Organisationen für Kinder. Meine Mitgründerin Catherine Berjal und ich geben offen zu, dass uns Chris Hohn mit The Childrens' Investment Fund dazu inspiriert hat.

portfolio: Dann muss es Sie doch auch inspirieren, dass die Deutschen Börse Börsen-Chart zeigenerneut mit der London Stock Exchange (LSE) fusionieren will, was Ihr Idol Hohn damals verhindert hat. Werden diesmal Sie als Dealbreaker aktiv?

d'Andlau: Wir schauen uns das genau an! Uns gefällt dieser Deal besser als der vor zehn Jahren. Aber es gibt derzeit noch eine Diskrepanz zwischen dem Preis für die LSE Börsen-Chart zeigen, der von der Deutschen Börse geboten wird, und jenem, den der Markt erwartet. Wir glauben daher, dass auch der US-Rivale ICE oder andere Börsenbetreiber für die LSE bieten werden.

portfolio: Klingt nach einem guten Geschäft für die LSE-Aktionäre, das sogar noch besser werden könnte. Wo genau liegt da der Reiz für Aktivisten wie Sie?

d'Andlau: Zum aktuellen Angebotspreis profitieren beide Seiten. Aber wenn ICE mit einem Gegengebot kommt - der Markt erwartet einen Aufschlag von 12 bis 13 Prozent - und die Deutsche Börse ihr Gebot im Gegenzug um 15 Prozent erhöht, dann wäre das aus unserer Sicht schon zu viel.

Anne-Sophie d'Andlau
  • Anne-Sophie d'Andlau gründete 2010 den Hedgefonds Charity Investment Asset Management (Ciam) zusammen mit den Bankern Frédérique Barnier-Bouchet und Catherine Berjal. "Le girl power en action", titelte die Wirtschaftszeitung "Les Echos" zum Start. D'Andlau spekulierte zuvor beim Hedgefonds Systeia auf Fusions kandidaten, Berjal war bis 2009 Co-Chefin des Merger-Arbitrage-Desks von BNP Paribas. Bisher größter Coup der Damen: Sie haben mit ihren 80 Millionen Euro Kundengeldern den chinesischen Investor Fosun gezwungen, sein Übernahmeangebot für den Ferienveranstalter Club Med stark zu erhöhen.

portfolio: Dann würden Sie gegen den Deal kämpfen?

d'Andlau: Das müssten wir mal abwarten, aber wir könnten uns vorstellen, Teil eines solchen Konsortiums zu sein.

portfolio: Sie kämpfen gerade dafür, dass Disney seinen Minderheitseignern mehr als die angebotenen 1,25 Euro pro Aktie für die separat börsennotierte Euro Disney zahlen muss, und klagen bei mehreren Gerichten. Wie stehen die Chancen?

d'Andlau: Die Minderheitsaktionäre von Euro Disney werden wirklich über den Tisch gezogen. Ein von uns beauftragter Immobiliengutachter hat allein deren Grundstücke mit 2,40 Euro pro Aktie bewertet. Außerdem wurde Euro Disney systematisch Kapital entzogen durch überhöhte Lizenzgebühren. Die fordern wir nun teilweise zurück. Insgesamt sehen wir den Wert der Aktie bei 3,70 Euro.

portfolio: Disneys Gutachten kommt auf einen fairen Wert von 1,25 Euro.

d'Andlau: Wir haben starke Argumente. Deshalb unterstützen uns Guy Wiser-Pratte ...

portfolio: ... der US-Aktivist, der schon vor Jahren beim deutschen Roboterhersteller Kuka Börsen-Chart zeigen einstieg und bei Rheinmetall Börsen-Chart zeigen ...

d'Andlau: ... sowie die Fondsgesellschaft Financière de l'Echiquier mit zehn Milliarden Euro verwaltetem Kapital und ein Investor aus London. Alle teilen sich die Prozesskosten, aber wir sind die Einzigen, die an der Front stehen.

portfolio: Reicht eine Klage, wenn man das Dreifache des Gebots fordert?

d'Andlau: Wir waren überall in der Presse deswegen, auch im "Wall Street Journal". Die gute Micky Maus könnte bald die böse Micky Maus sein - und wir glauben, dass Disney dies verhindern möchte. Der Konzern hat in Frankreich Dinge getan, die er daheim nie wagen würde, als agiere er in einer Bananenrepublik.

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