Freitag, 28. Juli 2017

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Passive Geldanlage auf dem Vormarsch Goldman Sachs prophezeit ETF-Boom - der gefährliche Run auf Indexfonds

Händler an der Rohstoffbörse in New York: Mit ETFs lässt sich in Aktien, Rohstoffe, Rentenpapiere und vieles mehr investieren

Die Risiken und Schattenseiten der passiven Geldanlage sind eines der heiß diskutierten Themen am Finanzmarkt. Nach einer Prognose von Goldman Sachs bekommt diese Debatte zusätzlichen Zündstoff.

Das von Exchange Traded Funds (ETFs) verwaltete Vermögen werde bis 2020 weltweit auf sechs Billionen Dollar (5,4 Billionen Euro) steigen, so die US-Großbank in einer aktuellen Analyse. Gegenüber dem derzeitigen Anlagevolumen der ETFs von etwa drei Billionen Dollar wäre das eine Verdopplung innerhalb der kommenden fünf Jahre.

Diese Wachstumsprognose von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen basiert auf verschiedenen Argumenten, wie auch der US-Investmentprofi und Blogger Joshua M. Brown erläutert. So gehen die Banker davon aus, dass Indexfonds auch künftig deutlich stärker zulegen werden, als dies durch die bloße Debatte über aktives und passives Geldmanagement zu erklären wäre.

Weitere Treiber seien die zunehmende Verbreitung von automatischen Allokations-Produkten, also computergesteuerte Investments, unterstützende Regulierungen in Richtung kostengünstiger Anlagen, geografische Ausbreitung sowie Innovationen, so Goldman Sachs. Explizit hebt die Bank das besondere Wachstum der passiven Fonds in Europa sowie im Rentenbereich hervor.

Für die ETF-Branche sind das gute Nachrichten. Blogger Brown prophezeit, dass Mitarbeiter der großen Player im ETF-Markt wie Blackrock, Invesco oder WisdomTree in den kommenden Jahren überdurchschnittlich verdienen können. Denn die Firmen bemessen das Salär ihrer Bediensteten nicht selten nach dem verwalteten Fondsvermögen.

Schon in der Vergangenheit ging es mit der Indexfonds-Industrie rasant voran. In Deutschland begann der Handel mit den kostengünstigen Fonds, die Studien zufolge in vielen Fällen besser performen als die aktiv gemanagte Konkurrenz, vor etwa 15 Jahren. Seither stieg auch hierzulande Jahr für Jahr das verwaltete Vermögen auf inzwischen weit mehr als 300 Milliarden Euro. Weltweit betrug die Wachstumsrate zuletzt 15 Prozent pro Jahr, so Goldman Sachs.

Kritik an ETFs wird lauter

Auf der anderen Seite gibt es jedoch zunehmend skeptische Stimmen zur Ausbreitung der passiven Investments. Kritiker bemängeln das zunehmende Herdenverhalten der Anleger, welches dazu führe, dass sich Marktentwicklungen immer mehr selbst verstärkten. Außerdem werde eine vernünftige Preisbildung am Markt irgendwann unmöglich, wenn immer weniger Teilnehmer eine eigene Meinung zu den Anlageobjekten hätten.

Die Produkte würden auch immer komplexer und seien für Privatanleger zunehmend schwer zu durchschauen, heißt es. Dennoch würden die Investoren zum Zocken geradezu animiert, weil die Fonds so geringe Kostensätze haben.

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Als weiteres Problem gilt die Tatsache, dass Indexfonds die Stimmrechte, die mit dem Kauf von Aktien verbunden sind, meist nicht wahrnehmen. Das führt dazu, dass sich Firmenvorstände bei der Verrichtung ihrer Arbeit immer weniger Kontrolle und Kritik gegenüber sehen.

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass es sich dabei keineswegs um eine theoretische Überlegung handelt. Indexfonds haben vielmehr schon heute einen signifikanten Anteil an wichtigen Konzernen, sowohl weltweit als auch in Deutschland.

Beim iPhone-Hersteller Apple Börsen-Chart zeigen etwa, immerhin das Unternehmen mit der weltweit größten Marktkapitalisierung, halten Indexfonds von Vanguard, Blackrock oder State Street zusammen bereits etwa 12 Prozent des Aktienkapitals.

Daten für die hiesige Wirtschaft lassen sich zudem einer aktuellen Studie der Analysehäuser Ipreo und Dirk entnehmen. Demnach halten Anbieter von Indexfonds wie Blackrock oder die Société-Générale-Tochter Lyxor zusammen inzwischen deutlich mehr als 10 Prozent an den Konzernen des deutschen Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen, der Crème der deutschen Wirtschaft also.

Diese Investmenthäuser halten damit auch mehr als 10 Prozent der Stimmrechte - und nehmen sie auf Hauptversammlungen zum Großteil nicht wahr. Ein Umstand, den Anleger wohl bedenken sollten, wenn sie mit ihrem Investment das Wachstum der ETFs weiter vorantreiben.

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