Freitag, 14. Dezember 2018

Kapitalabfluss aus China Diese Entwicklung macht Goldman Sachs nervös

Yuan: Weniger wert, weniger gesucht, weniger wert, weniger gesucht - mit diesem Teufelskreis muss Chinas Administration umgehen

Lange war in China alles eitel Sonnenschein, die Wirtschaft stieg um zweistellige Prozentzahlen. Inzwischen bröckelt der Glanz. Doch noch immer halten die viele Investoren das Land für einen Motor des weltweiten Wachstums und setzen darauf, dass es weiter kräftig voran geht.

Raiffeisen Capital Management zum Beispiel schreibt in einem aktuellen Kommentar: "Die Industrieproduktion und die Einzelhandelsumsätze wuchsen zuletzt kräftiger als erwartet. Insgesamt scheint es recht wahrscheinlich, dass die Volkswirtschaft das von der Pekinger Führung vorgegebene Wachstumsziel von 6,5 bis 6,7 Prozent auch 2016 erreichen kann." Nun jedoch warnt die Großbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen vor einem Phänomen - dem Kapitalabfluss.

Denn diese Abflüsse könnten größer sein als der erste Blick vermittelt. Vor allem in Yuan. Zwar habe sich der Devisenmarkt auf den ersten Blick zuletzt stabilisiert. Doch offizielle Statistiken zeigen, dass im August 27,7 Milliarden Yuan das Land verlassen haben. Der Fünfjahresschnitt bis ins Jahr 2014 liegt dagegen bei 4,4 Milliarden Yuan, schreibt "Bloomberg". Und beruft sich auf MK Tang, einen Chefvolkswirt aus Hong Kong in Diensten von Goldman Sachs. Bedenklich ist das aus zwei Gründen.

Zum einen könnte jedes Zeichen eines verstärkten Kapitalabflusses aus China den zuletzt ruhigeren Devisenmarkt durcheinander wirbeln. Zum anderen droht dem Yuan sowieso schon eine mögliche Leitzinsanhebung in den USA, die das Image des Yuan als die neueste Reservewährung der Welt unterminieren könne. Tatsächlich fiel der Yuan zuletzt auf sein Sechsmonatstief.

Und in diesem Jahr hat der Yuan im Vergleich zum Dollar um 3,3 Prozent abgewertet. Das ist die höchste Abwertung im Vergleich zu allen anderen asiatischen Währungen. Und so soll es auch weitergehen - Schätzungen von "Bloomberg" rechnen mit einer Abwertung von 0,5 Prozent im Rest des Jahres 2016.

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Eine Zwickmühle für China: Auf der eine Seite ist eine schwache Währung gut für den Export, auf der anderen Seite beschleunigt die Abschwächung eben jene Abflüsse von Kapital. Chinas Administration versucht daher, die Abflusskanäle zu verstopfen. Mit anderen Worten - die Situation könnte schlimmer sein als es ausschaut. Wenn nämlich tatsächlich die Unternehmen Chinas Yuan nach Hong Kong transferierten - und dort in fremde Währungen umtauschten. Und genau diesen Gedanken legt der gezeigte Chart nahe.

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