Samstag, 23. Februar 2019

Vor allem Russland stockt auf Zentralbanken kaufen so viel Gold wie lange nicht

Goldbarren der Bundesbank: Die meisten Zentralbanken erhöhen derzeit ihre Goldbestände, etwa, um ihr Dollar-Risiko zu senken - nicht so die Bundesbank.

Zuletzt gab es beim Goldpreis angesichts der Turbulenzen am Aktienmarkt zwar ein leichtes Plus. Insgesamt befindet sich das Edelmetall jedoch seit 2011 - mit kurzen Unterbrechungen - im Sinkflug. Die Frage ist, ob und wann Gold wohl ein Comeback erleben wird.

Viele Verantwortliche in Zentralbanken jedenfalls glauben offenbar zunehmend an Gold als Kapitalanlage. Seit Monaten vergrößern sie ihre Bestände. Schon im ersten Halbjahr 2018 erwarben Zentralbanken weltweit zusammen netto 193,3 Tonnen Gold. Das waren 8 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres und der höchste Wert für die Notenbanken seit 2015.

Im dritten Quartal haben die Institute nun noch einmal nachgelegt. Wie der World Gold Council (WGC) berichtet, haben Zentralbanken rund um den Globus in den Monaten Juli, August und September zusammen netto 148,4 Tonnen Gold erworben. Das entspricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 22 Prozent und ist wiederum die stärkste Bestandsaufstockung seit 2015.

Wie die Experten vom WGC angeben, nutzen die Zentralbanken offenbar das Edelmetall, um ihre Anlagerisiken zu diversifizieren. Dabei gehe es darum, vor allem die Unwägbarkeiten, die mit dem US-Dollar verbunden sind, zu senken. Die Erfahrung zeigt, dass sich Gold am Finanzmarkt häufig gegenläufig zum Dollar bewegt.

"Gold ist eine gute Absicherung gegen den Dollar"

"Gold ist eine gute Absicherung gegen den Dollar", sagt Alistair Hewitt, Chef-Marktanalyst beim WGC, laut "Financial Times".

Größter Käufer unter den Zentralbanken war im dritten Quartal 2018 die Notenbank Russlands. Die Erhöhung der Bestände um 92,2 Tonnen war die stärkste, die bei der russischen Notenbank bisher überhaupt verzeichnet werden konnte. Erstmals sitzt Russland nun auf Goldreserven von mehr als 2000 Tonnen, so der WGC.

Im Gegenzug habe die russische Zentralbank zuletzt ihre Bestände an US-Staatsanleihen abgebaut und werde dies auch weiter tun, heißt es in einer Mitteilung des weltweiten Verbandes der Goldindustrie.

Daneben erwarb die Zentralbank der Türkei laut WGC im dritten Quartal netto 18,5 Tonnen. Sie verfügt damit über einen Goldbestand von insgesamt 256,6 Tonnen. Auch Kasachstan erhöhte seine Bestände signifikant, nämlich um 13,4 Tonnen auf 335 Tonnen. Zudem befanden sich im dritten Quartal die indische, die polnische sowie die ungarische Notenbank auf der Käuferseite.

Zum Vergleich: Deutschland verfügte Angaben der Bundesbank zufolge Ende 2017 über Goldreserven in Höhe von 3374 Tonnen. Das entspricht etwa 270.000 Barren zu je 12,5 Kilogramm, so die Bank auf ihrer Website. Laut World Gold Council scherte die Bundesbank zuletzt allerdings aus dem Mainstream aus: Im dritten Quartal 2018 gehörte sie mit einem allerdings geringen Minus von 0,2 Tonnen zu den wenigen Zentralbanken, die ihrer Bestände reduzierten.

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