Montag, 20. August 2018

Edelmetall unter Druck Investoren treiben Wetten gegen Gold auf Rekordniveau

Auf Talfahrt: Der Goldpreis fällt seit Monaten.

Geht es mit dem Goldpreis in nächster Zeit wieder aufwärts? Nicht wenn es nach der Meinung der Finanzprofis bei Hedgefonds und anderen Investmentgesellschaften geht: Sie haben ihre Wetten auf einen weiter fallenden Goldpreis nach dem Preisrutsch der vergangenen Monate zuletzt auf ein Rekordniveau geschraubt.

Hedgefonds und andere spekulative Investoren haben ihre Anti-Gold-Positionierung in den vergangenen Wochen kontinuierlich gesteigert, berichtet das "Wall Street Journal". Inzwischen haben diese Wetten demnach die höchste Anzahl erreicht, die bisher gezählt wurde, so die Zeitung mit Verweis auf Daten der Commodity Futures Trading Commission, die bis ins Jahr 2006 zurückreichen.

Damit befinden sich die Investmentprofis auf einer Linie mit zahlreichen Analysten und anderen Beobachtern, die den Goldpreis ebenfalls vorläufig weiter unter Druck sehen. Gegen den Strom schwimmen dagegen die Kunden deutscher Goldhändler: Sie nutzen den aktuellen Preisrückgang und decken sich in diesen Tagen offenbar im großen Stil mit Münzen und Barren ein, wie manager-magazin.de bereits in der vergangenen Woche berichtete.

Hintergrund: Gold markierte 2011 einen Preisrekord und geriet daraufhin mehrere Jahre in einen Abwärtstrend. Nach zeitweiliger Seitwärtsbewegung begann im April dieses Jahres erneut eine Talfahrt. In der vergangenen Woche erreichte Gold bei etwa 1222 Dollar je Feinunze den tiefsten Stand seit einem Jahr.

Ursache für den Preisdruck ist Fachleuten zufolge vor allem der zuletzt stärkere Dollar, der auch von den steigenden Zinsen in den USA profitiert. Da Gold international in Dollar gehandelt wird, verteuert sich das Edelmetall außerhalb des Dollar-Raums, wenn der Greenback zulegt. Das drückt auf die Nachfrage.

Zudem dürften die steigenden Zinsen in den Vereinigten Staaten auch direkt als Belastung wirken, denn sie machen andere Geldanlagen attraktiver - im Umkehrschluss steigen die Opportunitätskosten für das Halten von Gold.

Selbst der Handelskonflikt der USA mit Europa und China kann Gold offenbar nicht ausreichend Auftrieb verleihen. Das Edelmetall gilt für viele noch immer als "sicherer Hafen", der angesichts der Unwägbarkeiten, die mit dem Konflikt zusammenhängen, durchaus angesteuert werden könnte. Investoren betrachten diese Risiken aber offensichtlich nicht als so gravierend, dass der Goldpreis dadurch nach oben getrieben würde.

Auch am ETF-Markt zeigt sich die pessimistische Haltung vieler Anleger zum Goldpreis. Dort zogen Investoren zuletzt acht Wochen in Folge Gelder aus Gold-Indexfonds ab. Es sei die längste Zeitstrecke mit Mittelabflüssen für die Fonds seit Anfang 2014, schrieb der Nachrichtendienst Bloomberg.

"Gold hat 2011 seinen Nimbus als 'sicherer Hafen' verloren", sagte Analyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel vergangene Woche zu manager-magazin.de. "Das Edelmetall ist derzeit definitiv kein Kauf. Es ist zu einem rein spekulativen Investment geworden."

Christoph Rottwilm auf Twitter

"Es sieht so aus, als wollte es noch weiter runter", sagt auch Bob Haberkorn, Marktstratege von RJO Futures, laut "WSJ". "Ich wäre nicht überrascht, wenn es das auch tun würde." Haberkorn zufolge könnte man sagen, Gold sei überverkauft. "Aber Dinge können eine ziemlich lange Zeit überverkauft sein", so der Investmentexperte.

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