Dienstag, 11. Dezember 2018

Preistief treibt Münz- und Barrenabsatz in die Höhe Der rätselhafte Optimismus der Gold-Fans

Preis fällt, Nachfrage steigt: Goldbarren verkaufen sich derzeit wieder gut - obwohl die Aussichten für den Goldpreis eher mau sind.

Der Goldpreis fällt und fällt, und viele Fachleute erwarten kaum eine Trendwende. Dennoch kaufen Gold-Liebhaber gerade in diesen Tagen besonders viele Münzen und Barren.

Um es gleich vorweg zu sagen: Gegen antizyklisches Investieren ist nichts einzuwenden. Im Gegenteil: Oft erscheint es vernünftig, zu kaufen, wenn andere verkaufen - und umgekehrt. Viele Fachleute halten dieses Vorgehen für einen guten Weg zu möglichst hoher Rendite.

Was viele Gold-Käufer jedoch machen, erscheint dennoch bemerkenswert. Der Goldpreis fällt und fällt - aber der Optimismus der Edelmetallfreunde scheint mit jedem Dollar, um den sich die Feinunze verbilligt, nur noch mehr zuzunehmen. Und das eigentlich Irritierende daran ist: Im Gegensatz zu anderen Fällen der antizyklischen Geldanlage - etwa am Aktienmarkt oder bei Immobilienkäufen - fehlen beim Gold gegenwärtig augenscheinlich weitgehend die fundamentalen Argumente, die einen Kauf rechtfertigen würden.

Viele Fachleute halten ein weiteres Absinken des Goldpreises für möglich, wie zuletzt Eugen Weinberg von der Commerzbank. Sie zählen Markteinflüsse auf, die für einen fallenden Preis sprechen, wie die Gründe, die Harry Tchilinguirian, Chef des Rohstoff-Researchs bei BNP Paribas, diese Woche im Bloomberg-TV nannte:

- Den vor dem Hintergrund steigender US-Zinsen stärker werdenden US-Dollar, der Gold für Käufer aus dem Nicht-Dollar-Raum teurer macht.

- Die ebenfalls vor dem Hintergrund steigender US-Zinsen zunehmenden Opportunitätskosten für das Halten von Gold.

- Die vergleichsweise moderate Inflation, die eine Absicherung in diese Richtung kaum erforderlich macht.

- Einen schlicht und ergreifend mangelnden Appetit auf Gold bei großen Investoren mit Markteinfluss.

Zahlen vom ETF-Markt, über die Bloomberg ebenfalls in dieser Woche berichtete, unterstreichen Tchilinguirians letzten Punkt. Demnach zogen Investoren zuletzt acht Wochen in Folge Gelder aus Gold-Indexfonds ab. Es sei die längste Zeitstrecke mit Mittelabflüssen für die Fonds seit Anfang 2014, so der Nachrichtendienst.

Zudem verweisen Fachleute auf das längerfristige Gesamtbild, das ebenfalls nicht für einen in nächster Zeit nachhaltig steigenden Goldpreis Börsen-Chart zeigen spreche. Seit seinem Rekordhoch im Jahr 2011 befindet sich der Preis auf Talfahrt. Dieser langfristige Abwärtstrend sei zwar 2016 zunächst gestoppt worden, so Analyst Martin Utschneider von der Privatbank Donner & Reuschel. Aber lediglich um in einen holprigen Seitwärtskurs zu wechseln.

Seit Anfang April dieses Jahres, so Utschneider, gebe es beim Goldpreis jedoch wieder einen kurzfristigen Abwärtstrend. Entscheidend sei nun die Marke von 1200 Dollar je Feinunze, oder aus charttechnischer Sicht genau genommen die Marke von 1191 Dollar. Rutscht der Preis unter diesen Wert, so der Fachmann, dann könne es noch deutlich weiter abwärts gehen. Dann schwenke Gold womöglich wieder in jenen übergeordneten Abwärtstrend ein, der bereits 2011 begann.

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