Samstag, 1. Oktober 2016

Marktforscher klagt wegen verletzter Aufsichtspflicht Gfk will 30 Millionen Euro von Ex-Vorständen

Gesellschaft für Konsumforschung GfK in Nürnberg:

Die Nürnberger Konsumforschungsgesellschaft GfK steckt in Turbulenzen. Die Geschäfte laufen nicht gut, seit einigen Jahren jagt eine Gewinnwarnung die andere. Zudem ist das S-Dax-Unternehmen auch noch in mehrere Prozesse verstrickt.

Das Unheil nahm seinen Lauf, als GfK-Chef Matthias Hartmann im Dezember 2011 sein Amt übernahm. Der ehemalige IBM-Manager realisierte alsbald, dass sein Vorgänger Klaus Wübbenhorst auf eine rasante internationale Expansion gesetzt hatte. Den einzelnen Landesgesellschaften ließ er dabei großen Spielraum, Hauptsache sie meldeten steigende Erlöse.

Die Laissez-Fair-Politik Wübbenhorsts führte zumindest in einem Fall zu bitteren Konsequenzen: Ende 2012 stelle sich heraus, dass die türkische GfK-Tochter es mit der Zahlung von Steuern und Sozialabgaben nicht so genau genommen hatte. Die türkischen Behörden verlangten eine Zahlung von der Nürnberger Zentrale in Höhe von gut 20 Millionen Euro. Die GfK wehrte sich gerichtlich gegen die Forderung, verlor aber den Prozess Anfang 2015 in den überwiegenden Punkten. Die GfK ging in die Berufungen, das Verfahren ist noch nicht entschieden.

Seit 2015 versucht nun der GfK-Aufsichtsrat sich an zwei ehemaligen GfK-Vorständen schadlos zu halten. Das Gremium verklagte Ex-CEO Wübbenhorst sowie den früheren Finanzvorstand Christian Weller von Ahlefeld auf Schadensersatz wegen Verletzung der Sorgfalts- und Aufsichtspflicht.

Die beiden Beklagten sollen gut 30 Millionen Euro an die GfK zahlen. Ein erster Prozess fand im Oktober 2015 vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth statt. Der Ausgang des Verfahrens ist offen, die Parteien verhandeln derzeit über einen Vergleich.

Gespräche mit mehreren Private-Equity-Häusern

Die Unregelmäßigkeiten in der Türkei ereigneten sich zu einer Zeit, in der Arno Mahlert bereits den Aufsichtsrat der GfK leitete (Erstbestellung: 2004). Gleichwohl beteuert ein Sprecher der GfK, dass Mahlert keine Pflichtverletzung zuzurechnen sei.

Parallel zu den juristischen Auseinandersetzungen scheinen bei der GfK Diskussionen über eine Veränderung der Eigentümerstruktur zu laufen. Bislang hält der GfK-Verein mehr als 50 Prozent der Anteile. Branchenkreise berichten allerdings, dass der Vorstandsvorsitzende Hartmann mit mehreren Private-Equity-Häusern spricht. Namentlich werden genannt: KKR, BC Partners und die Texas Pacific Group. Ein GfK-Sprecher will dies nicht kommentieren.

la/mmo

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