Montag, 25. Juli 2016

German Pellets pleite Millionen Anlegergelder im Feuer

Millionen Anlegergelder im Feuer: Bei German Pellets brennen nicht nur die Holzschnitzel
imago/blickwinkel
Millionen Anlegergelder im Feuer: Bei German Pellets brennen nicht nur die Holzschnitzel

Der Brennstoff-Hersteller German Pellets aus Wismar hat über Mittelstands-Anleihen viele Millionen Euro bei Anlegern eingesammelt. Nun ist das Unternehmen insolvent - tausende Anleger bangen um ihr Geld.

Die Anzeichen hatten sich zuletzt verdichtet, jetzt ist es offiziell: Der Wismarer Brennstoff-Hersteller German Pellets hat am Mittwoch einen Insolvenzantrag gestellt. Das Insolvenzgericht prüfe den Antrag jetzt, teilte das Amtsgericht Schwerin mit. Über den Inhalt des Antrags wurden keine Angaben gemacht.

Insgesamt sind mit der Insolvenz des Unternehmen Gelder von Anleihegläubigern in Höhe von deutlich mehr als 200 Millionen Euro in Gefahr. German Pellets hatte bereits seine für Mittwoch anberaumte Gläubigerversammlung in Wismar kurzfristig abgesagt. Auf der Versammlung sollte es um eine Anleihe mit einem Volumen von 52,4 Millionen Euro gehen, die zum 1. April hätte zurückgezahlt werden müssen.

German Pellets hatte die Gläubiger um eine Laufzeitverlängerung von zwei Jahren bis zum 31. März 2018 gebeten. Außerdem sollte der Zinssatz von 7,25 auf 5,25 Prozent reduziert werden. Im Gegenzug sollten die Anleiheinhaber 50 Prozent der Gesellschaftsanteile an der German Pellets GmbH als Sicherheit erhalten. Anlegervertreter wie die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger warnten vor den Vorschlägen.

Reguläre Insolvenz oder Eigenverwaltung?

German Pellets wird angesichts der Pleite nun seine Gläubiger zusammentrommeln müssen. Eine wichtige Frage lautet zunächst: Geht das Unternehmen in ein reguläres Insolvenzverfahren oder stimmt das Gericht einer Insolvenz in Eigenverwaltung zu, die dem Vernehmen nach beantragt wurde. In letzterem Fall bliebe zum Teil das bisherige Management am Ruder, das für die Probleme die Mitverantwortung trägt - eine Lösung also, die für die Gläubiger möglicherweise nicht optimal ist.

"Eine Eigeninsolvenz läuft bei German Pellets nur auf eine weitere Täuschung der Anleger hinaus", sagt Rechtsanwalt Marc Gericke von der Kanzlei Göddecke Rechtsanwälte, die auch Anleihegläubiger des notleidenden Unternehmens berät. Nach seiner Überzeugung ist das reguläre Insolvenzverfahren bei German Pellets nun "der beste Weg und auch der einzig noch verbliebene Schutz der Anleger gegen einen weiteren Budenzauber".

Das Inkasso-Unternehmen Creditreform Mecklenburg-Vorpommern in Rostock berichtete, German Pellets habe seit Jahresende 2015 relativ plötzlich Rechnungen nicht mehr beglichen, etwa von Holzlieferanten. Ein Grund dafür sei nicht bekannt.

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