Dienstag, 28. Juni 2016

Geldanlage Hat Ihr Vermögen eine Zukunft?

Was tun mit dem Vermögen - seinen Wert erhalten oder es weitergeben?
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Was tun mit dem Vermögen - seinen Wert erhalten oder es weitergeben?

Konstantin Mettenheimer
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    Konstantin Mettenheimer ist Chairman und Mitinhaber von PMB Capital Ltd. Private Merchant Banking London, er berät Familienunternehmer und Investoren in Fragen der Strategie, der Vermögensanlage und der Strukturierung. Zuvor war er Partner der Edmond de Rothschild Private Merchant Banking LLP, London, und davor weltweiter Chairman der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.
Vor die Wahl gestellt, ob man sein hart verdientes Vermögen seinen Kindern, einem guten Zweck oder dem Staat hinterlassen wolle, wird jeder die Kinder oder den guten Zweck wählen. Das Recht und sogar die Pflicht dazu ergeben sich aus dem Schutz der Familie und des Eigentums im Grundgesetz. Damit sind für Familien Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wirtschaftlich miteinander verknüpft. Jeden der auch nur ein kleines Vermögen hat, beschäftigen drei Fragen: Werterhalt, Weitergabe und Was bleibt von mir? In meinem vorangegangenen Beitrag ging es um den Werterhalt, heute geht es um die Weitergabe.

Warum ist das Weitergeben so wichtig und so schwierig?

Es gibt Fragen familiärer und wirtschaftlicher Natur. Auf die Familienkonstellation kann ich hier nicht eingehen. Wirtschaftlich gibt es zur Zeit zwei große Probleme: Eine unklare Erbschaftsteuerreform und das Fehlen von Zinsen, um die Erbschaftsteuer im Laufe einer Generation zu erwirtschaften. Denn die Erbschaftsteuer auf das Vermögen gilt zwar als Substanzsteuer wirkt aber wie eine versteckte Einkommensteuer über die Zeit bis zum Erbfall. Ein einfaches Beispiel: Die Steuer kann nach 30 Jahren 30 Prozent betragen, also mit Zinseszins 0,5 Prozent pro Jahr. Bei einer derzeitigen Jahresrendite von 4 Prozent pro Jahr ergibt dies eine jährliche Belastung der Rendite von 12,5% und dies neben Inflation und Einkommensteuer.

Bei privaten Vermögen trifft dies "nur" den Erben. Bei einem unternehmerischen Vermögen trifft es auch Dritte. Denn wenn der Erbe die Steuer nicht bezahlen kann, muss er verkaufen. Der kleine und der große Familienunternehmer sind jedoch anders als ein Finanzinvestor. Für den Mittelständler ist Überleben alles, egal ob kleine Handwerksbetriebe oder große Unternehmen. Er ist bereit - anders als der Kapitalmarkt- , eine geringere Rendite hinzunehmen, wenn es darum geht das Familienunternehmen zu erhalten. Diese Bereitschaft ist ein gewaltiges Potential für den Erhalt von Arbeitsplätzen und unserer Wirtschaftskraft.

Werden Familien durch die Erbschaftsteuerbelastung gezwungen, zu verkaufen, gelangen Unternehmen in die Hand von Investoren mit reinen Renditeinteressen. Dies wird mittelfristige Folgen für die Volkswirtschaft haben, die vor allem zum Abbau von Arbeitsplätzen führen. Wir müssen uns entscheiden, ob wir Wirtschaftskraft erhalten oder schleichende Umverteilung wollen.

Beides zugleich geht nicht. Der Gesetzgeber drückt sich seit Jahrzehnten vor diesem Problem und so ist dies faktisch die vierte Reform des Erbschaftsteuerrechts seit 1974. So wie die Reform entworfen ist, wird sie vom Bundesverfassungsgericht zurückgewiesen werden. Die Folgen solcher politischer Entscheidungen, ebenso wie die des unrealistisch gesenkten Rentenalters, sieht man leider nicht in einer Wahlperiode sondern nur über viele Jahre.

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