Montag, 29. August 2016

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Sieben Medico-Fonds pleite Tausenden Anlegern drohen horrende Verluste

Blick auf Berlin: Mindestens zwei der insolventen Medico-Fonds investierten in Objekte in der Bundeshauptstadt

Probleme machen die Fonds seit Langem, jetzt kommt es für die Anleger richtig hart: Sieben geschlossene Immobilienfonds der Düsseldorfer Gebau-Gruppe mussten Insolvenz anmelden. Das teilte der Düsseldorfer Rechtsanwalt Georg F. Kreplin mit, der zum vorläufigen Insolvenzverwalter der Gesellschaften bestimmt wurde. Nach Angaben Kreplins hat im gleichen Zuge auch eine Finanzvermittlungsgesellschaft der Gebau-Gruppe Insolvenz angemeldet.

Details zum Umfang des Schadens und zur Zahl der betroffenen Anleger konnte Kreplin auf Anfrage von manager magazin online noch nicht nennen. Dazu sei es im vorläufigen Insolvenzverfahren noch zu früh, so der Anwalt.

Von den Pleiten der sieben Fonds dürften aber schätzungsweise 4000 bis 5000 Privatanleger betroffen sein, die zusammen einen hohen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in die Fonds eingezahlt haben dürften. Dabei handelt es sich vermutlich vor allem um Ärzte und Apotheker, denn in dieser Klientel wurden die unter dem Label "Medico" laufenden Fonds einst mit Vorliebe vertrieben.

Aufgelegt wurden die Medico-Fonds von der Düsseldorfer Gebau-Gruppe, der auch die Hotels der Lindner-Kette zuzurechnen sind. Bei der Gebau-Gruppe war für eine Stellungnahme niemand zu erreichen.

Vor allem Ärzte und Apotheker betroffen

Das Unternehmen hat eigenen Angaben zufolge im Laufe der Jahre 42 geschlossene Immobilienfonds mit einem Investitionsvolumen von 1,2 Milliarden Euro und einem Eigenkapitalgehalt von 665 Millionen Euro aufgelegt. Insgesamt etwa 25.000 Privatanleger haben in die Fonds investiert, so Gebau auf der Firmen-Website. Im vorläufigen Insolvenzverfahren befinden sich nun nach Auskunft der Website Insolvenzbekanntmachungen.de unter anderem die Medico-Fonds Nummer 2, 3, 18 und 41.

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters haben die Medico-Fonds beispielsweise in Warenhäuser, Kinos, Hotels und andere Objekte investiert. Weil deren Verkehrswerte laut Marktbeobachtern teilweise weit unter die früheren Kaufpreise gesunken seien, seien offenbar erhebliche Verluste aufgelaufen, so Kreplin. Das treffe die Anleger nun hart.

"Mehrere dieser Fonds befinden sich seit einiger Zeit in wirtschaftlichen Schwierigkeiten", so Kreplin. Aufgrund der teilweise anhaltenden negativen Entwicklung der Immobilien seien sie nun zahlungsunfähig. Einige Anleger haben nach Angaben des Anwalts bereits gegen die führenden Vertriebsgesellschaften auf Schadenersatz geklagt.

Nach Darstellung Kreplins soll versucht werden, die Fonds zu sanieren und weiterzuführen. Ob das möglich sei, sei jedoch ungewiss. Gelinge die Rettung der Fonds nicht, so Kreplin, dann drohe den Anlegern "erheblicher finanzieller Schaden". Aufgrund der rechtlichen Konstruktion der Fonds als Kommanditgesellschaften sei im Extremfall auch der Totalverlust der Einlage möglich.

Newsletter von Christoph Rottwilm

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