Dienstag, 11. Dezember 2018

Helaba-Studie Frankfurt ist Hauptziel für Brexit-Banker

"Frankfurt hängt derzeit Paris ab" im Wettlauf um die Brexit-Banker, ist die Helaba überzeugt

Frankfurt ist die Nummer eins für Banken nach dem Brexit. Das zumindest behauptet die Helaba-Chefvolkswirtin. "Das ist keine Vermutung, die wir in den Raum stellen, das ist Fakt", so Gertrud Traud. Der Büromarkt könne die vielen neuen Banker gut verkraften. Das Problem sei der Wohnungsmarkt.

Der Finanzplatz Frankfurt profitiert nach neuesten Zahlen der Landesbank Helaba am meisten vom britischen EU-Austritt. "Wir sehen Frankfurt als erste Adresse für die Brexit-Banken", sagte die Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), Gertrud Traud, am Montag. "Das ist keine Vermutung, die wir in den Raum stellen, das ist Fakt."

Die Helaba listet in ihrer jüngsten Studie 25 Institute auf, die sich wegen des Brexits entschieden haben, ihr Geschäft in Frankfurt auf- beziehungsweise auszubauen. "Es gibt keinen anderen Standort in Kontinentaleuropa, für den sich so viele Banken entschieden haben", stellte Traud fest. "Frankfurt hängt derzeit Paris ab. Das heißt nicht, dass wir uns jetzt zurücklehnen können."

Der bevorstehende Brexit zwingt Banken, die am Finanzplatz London tätig sind, sich umzuorientieren. Denn für Dienstleistungen in der Europäischen Union benötigen sie ein Standbein in einem EU-Staat. Außer Frankfurt und Paris buhlen auch Amsterdam, Dublin und Luxemburg um Finanzjobs aus der Londoner City.

Vor wenigen Tagen erst kündigte die Schweizer Großbank UBS an, ihre EU-Basis von London nach Frankfurt zu verlegen, sollte es zu einem Brexit ohne Übergangsregelung geben, wovon die Finanzszene mittlerweile ausgehe. Der Vermögensverwalter plant für seine Euro-Geschäfte zudem Dependancen in europäischen Großstädten wie Madrid, Mailand oder Paris.

Helaba rechnet mit neuen 8000 Finanzjobs - Wohnungsmarkt wird Problem

Auch die Deutsche Bank bereitet sich intensiv auf einen Brexit ohne Deal vor und erwägt nach einem Bericht der "Financial Times", Vermögenswerte von bis zu 600 Milliarden Euro aus London abzuziehen. Die Bankenaufseher befürchteten andernfalls einen Kontrollverlust über das Kapital und die Liquidität der Bank, heißt es in dem Bericht. Wie viel der gut 7000 Deutsche-Bank-Jobs in London davon betroffen sein werden, ist unklar.

Die Helaba-Volkswirte gehen unverändert davon aus, dass im Zuge des Brexits mittelfristig mindestens 8000 Finanzjobs in Frankfurt entstehen werden. Allein die Auslandsbanken, die den Standort Frankfurt verstärken wollen, dürften ihre Mitarbeiterzahl von 2500 (Ende 2017) auf 4500 (Ende 2020) fast verdoppeln.

Bis Ende 2020 rechnet die Helaba mit einem Beschäftigungsanstieg von 3 Prozent auf 65.000 Mitarbeiter in den Frankfurter Bankentürmen (Ende 2017: 63.200) - eine Zahl nahe des historischen Hochs. "Der Büromarkt kann die hohe Nachfrage abfedern, das Problem ist der Wohnungsmarkt", sagte Traud.

rei/reuters

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