Samstag, 16. Dezember 2017

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Zwei Flugzeugfonds unter Druck Air-Berlin-Pleite kostet 900 Commerzbank-Kunden viel Geld

Air-Berlin-Maschinen auf dem Flughafen in Düsseldorf: Auch Anleger von Flugzeugfonds sind von der Airline-Pleite betroffen

Die Pleite der Fluggesellschaft Air Berlin Börsen-Chart zeigen schlägt Wellen, und die erreichen auch mehrere hundert Kunden der Commerzbank Börsen-Chart zeigen. Sie hatten sich vor Jahren über die Commerzbank-Tochter Commerz Real an zwei geschlossenen Flugzeugfonds beteiligt, namens CFB 176 und CFB 178. Beide Fonds erwarben je einen Airbus des Typs A319 und verleasten ihn an Air Berlin. Die zunehmenden Schwierigkeiten der Fluggesellschaft dürften die Investoren also schon seit geraumer Zeit mit bangen Blicken verfolgt haben.

Bereits im März 2017 etwa machte sich die wachsende Air-Berlin-Misere bei den Fonds unmittelbar bemerkbar: Die Airline benötigte seinerzeit die geleasten Airbusse nicht mehr und reichte sie per Unterleasingvereinbarung an den Lufthansa-Ableger Eurowings weiter, für den die Flieger seither im Einsatz sind.

Dann kam die Air-Berlin-Pleite: Weil das Unternehmen als Leasingnehmer ausfällt, muss für die Flugzeuge eine neue Verwendung gefunden werden. Und wie die nach dem Willen des Fondsmanagements aussehen soll, erfuhren die Investoren der Beteiligungsgesellschaften in dieser Woche per Rundschreiben.

Demnach ist es dem Management der Fonds nicht gelungen, wie eigentlich gewünscht einen neuen Leasingnehmer für die Flugzeuge zu finden. Zwar sei mit sechs Parteien verhandelt worden, so die Verantwortlichen der Commerz Real in dem Rundschreiben. Lediglich eine deutsche Chartergesellschaft sei jedoch an einem Leasing- statt an einem Kaufvertrag interessiert gewesen. Und deren Angebot sei so niedrig ausgefallen, dass damit nicht einmal die Kreditfinanzierung der Fonds hätte bedient werden können, von künftigen Ausschüttungen an die Anleger ganz zu schweigen.

Lufthansa zahlt weniger, als Fonds ursprünglich geplant hatten

Für die Investoren bedeutet das einen Rückschlag, der dennoch teuer werden dürfte: Als einzige vernünftige Alternative bleibt dem Rundschreiben zufolge der sofortige Verkauf der Flugzeuge. Das Fondsmanagement hat mit Lufthansa bereits ein Angebot ausgehandelt, über das die Investoren nun abstimmen sollen. Der Kaufpreis, den Deutschlands Branchenprimus demnach bereit ist, für die knapp zehn Jahre alten Maschinen zu bezahlen: jeweils 11,5 Millionen US-Dollar.

Wie Commerz Real auf Anfrage mitteilt, liegt laut Aussage der Lufthansa eine Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörde für den Erwerb der beiden Maschinen bereits vor. Die Kartellwächter in Brüssel haben ein waches Auge auf die Air-Berlin-Pleite und den geplanten Übergang zahlreicher Maschinen an Lufthansa geworfen.

Die Fondsanleger von Commerz Real jedoch müssen sich zunächst fragen, ob ihnen der gebotene Preis für ihre Flugzeuge angemessen erscheint, selbst wenn die Entscheidung über den Verkauf von der Antwort auf diese Frage womöglich mangels Alternativen kaum abhängig ist.

Fest steht jedenfalls: Der Fondsanbieter Commerz Real selbst dürfte den Preis kaum für optimal halten. Schon im Verkaufsprospekt der Fonds taxierte das Unternehmen für die Flugzeuge einen Erlös von immerhin 14,5 Millionen Dollar, und das erst im Jahr 2024, wenn die Fonds eigentlich hätten aufgelöst werden sollen.

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