Freitag, 1. Juli 2016

Finanzprodukte zur WM Es müllert auf dem Konto

Drei Tore zum Auftakt gegen Portugal: Ob Thomas Müller auch ein Volksbank-Konto hat?

Thomas Müller macht Fußballfans froh: Um auch Zinsjäger zu beglücken, müsste er aber noch viel häufiger treffen. Experten sehen die WM-Zinsangebote der Finanzbranche kritisch: Für ein spürbares Zinsplus müssten Müller & Co über sich hinauswachsen.

Frankfurt am Main - Die Fußball-WM macht die Finanzbranche erfinderisch. "Fanbonus", "Zins-Kick", "Weltmeistersparen" - seit Wochen rühren Banken die Marketingtrommel für Sparangebote zur WM. Per Zertifikat können Fans wetten, wer das Finale am 13. Juli gewinnen wird, selbst Verbraucherkredite kommen mit WM-Label daher.

"Die wenigsten dieser Produkte machen von der Renditeseite her Sinn", urteilt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Finanzbranche versuche, "auf der Aufmerksamkeitswelle mitzuschwimmen", meint Kurz: "Der Bezug zur WM ist oft sehr verquast, oft ist das nicht mehr als ein Marketing-Gag."

Die HSH Nordbank etwa lehnt sich bei der gestuften Verzinsung ihrer "Fußball-Anleihe 2014" an die bisherigen deutschen WM-Titel an: 1,54 Prozent, 1,74 Prozent, 1,90 Prozent, 2,014 Prozent.

Die Commerzbank Börsen-Chart zeigen spielt ebenfalls damit: Erreicht das deutsche Team das Viertelfinale, erhöht sich bei ihrem Festgeldangebot die Mindestverzinsung von 0,35 Prozent auf 0,54 Prozent. Fürs Halbfinale gibt es 0,74 Prozent, der Finaleinzug bringt 0,90 Prozent. Für den WM-Titel bekommen Anleger 1,14 Prozent für ein Jahr. Für dieses Produkt ließen sich nach Angaben der Bank 10.300 Anleger begeistern, insgesamt legten sie 214,5 Millionen Euro an.

100 deutsche Tore für ein Prozent mehr Zinsen

Viele der WM-Sparangebote sind so gestrickt: Etwas attraktivere Zinsen gibt es nur, wenn Müller, Klose, Poldi und Co. viele Tore schießen und/oder Weltmeister werden. Ansonsten bleibt es bei den derzeit üblichen mageren Zinssätzen für Festgeld.

Die Experten von "Finanztest" haben insgesamt 25 Festzinsanlagen, Sparpläne und Kombiprodukte geprüft, die an das Abschneiden der deutschen Elf bei der Fußball-WM geknüpft sind. Ihr Fazit: "Die gute Nachricht: Mit WM-Sparangeboten können Anleger meist nichts verlieren." Doch Produkte mit attraktiven Renditechancen seien rar.

Manche Volksbank etwa bietet je Tor, das die deutsche Mannschaft in Brasilien erzielt, 0,01 Punkte Zinsaufschlag. Um solche Angebote attraktiv zu machen, wären etwa 100 Tore nötig, meint "Finanztest": "Das hat in der langen Geschichte der Fußball-WM noch nie ein Team auch nur annähernd geschafft."

Positive Beispiele gibt es aber auch: Denn manches Institut bietet für einen deutschen Finalsieg eine verhältnismäßig hohe Verzinsung an. Und das in Zeiten, in denen die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft hat.

Die meisten Banken kalkulieren ihre Zinsversprechen aber eher vorsichtig, viele locken lieber mit Gewinnspielen. Die Volksbank Ruhr Mitte zum Beispiel kombiniert ihr "WM-Sparbuch" mit monatlichen Verlosungen - Hauptgewinn: eine Endspiel-Grillparty.

Zertifikate mit hohem Risiko

Wesentlich mehr Risiko bieten Finanzwetten: Die Extra Sportwetten AG (Wien) etwa hat für jede der 32 WM-Mannschaften ein Zertifikat auf den Markt geworfen. Wer damit etwa auf den sechsten Titel für Gastgeber Brasilien tippt, kann für knapp 30 Euro Einsatz nach dem Finale 100 Euro kassieren - 233 Prozent Gewinn. Noch größer ist die Gewinnspanne bei einem Finalsieg Deutschlands (Ausgabepreis des Zertifikats: 19,50 Euro). Die Kehrseite: Scheidet ein Team vorzeitig aus, ist der Zertifikate-Anleger sein Geld komplett los.

Jörn Bender, dpa

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