Montag, 20. November 2017

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Yellen plant weitere Zinsschritte Fed will Zinsen erhöhen - aber sanft

Fed-Chefin Janet Yellen: Us-Konjunktur erlaubt behutsame Anhebungen der Zinsen

US-Notenbankchefin Janet Yellen hält die amerikanische Wirtschaft für stark genug, um weitere Zinserhöhungen zu verkraften. Allerdings will die Fed dabei sehr behutsam vorgehen: Yellen gab in ihrer Rede vor dem US-Kongress Signale, die gegen einen steilen Straffungskurs sprechen. "Weil der neutrale Zinssatz derzeit im historischen Vergleich recht niedrig ist, müsste der Leitzins nicht allzu deutlich weiter steigen, um zu einer neutralen geldpolitischen Haltung zu gelangen", so Yellen.

Die Fed erwarte, dass die Konjunktur behutsame Anhebungen erlauben werde, ergänzte Yellen. Zudem stellte sie in Aussicht, dass die Notenbank wahrscheinlich noch "dieses Jahr" mit dem Abbau ihrer im Zuge der Finanzkrise aufgeblähten Bilanz beginnen werde. Mit diesem Schritt würde die Fed sich endgültig von der jahrelangen Krisenpolitik verabschieden.

An der Börse reagierten die Anleger mit Käufen auf den skizzierten behutsamen Kurs der Fed. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen erreichte zeitweise ein Verlaufs-Rekordhoch von 12.555 Zählern. Am deutschen Aktienmarkt baute der Dax Börsen-Chart zeigen nach Veröffentlichung der Yellen-Rede seine Gewinne deutlich aus. "Die Marktteilnehmer scheinen nach den jüngsten Aussagen mit einer vorsichtigen Gangart der Fed bei den Zinsen zu rechnen", sagte Ulrich Wortberg, Analyst bei der Landesbank Helaba. Auch an der Wall Street gingen die Kurse nach oben.

Die Federal Reserve hatte ihren Leitzins zuletzt im Juni auf das Niveau von 1,0 bis 1,25 Prozent angehoben. Die Dollar-Wächter hatten zu dem Zeitpunkt eine weitere Erhöhung in diesem Jahr in Aussicht gestellt.

Behutsame Anhebung des Zinsniveaus erwartet

Yellen äußerte sich bislang aber weder zum genauen Zeitpunkt des nächsten Zinsschritts noch zum konkreten Startmonat für den Bilanzabbau. Vor Ausbruch der weltweiten Finanzkrise im Jahr 2007 hatte die Bilanzsumme der US-Notenbank noch bei rund 800 Milliarden Dollar gelegen. Durch den massiven Erwerb von Staatsanleihen und anderen Papieren zur Stützung der Konjunktur wurde sie danach auf über vier Billionen Dollar ausgeweitet.

In ihrem bereits am Freitag veröffentlichten Halbjahresbericht an den Kongress zeichnete die Notenbank trotz des schwachen Jahresstarts ein positives Bild der US-Wirtschaft. Die Währungshüter erwarten weiteres Wachstum und gehen davon aus, dass sich die Arbeitslosenquote in diesem Jahr bei 4,3 Prozent einpendeln wird. Damit wäre de facto Vollbeschäftigung erreicht.

Zuletzt hatte sich allerdings die Inflationsrate ein Stück weiter vom Notenbankziel in Höhe von zwei Prozent entfernt. Doch Yellen sieht hierin wenig Grund zur Sorge. Dies sei vor allem auf Sonderfaktoren zurückzuführen.

Gary Cohn als Nachfolger von Janet Yellen im Gespräch

Von den US-Abgeordneten dürfte Yellen am Mittwoch auch zu ihrer persönlichen Zukunft befragt werden. Denn eine zweite Amtsperiode an der Spitze der weltweit einflussreichsten Notenbank gilt als unwahrscheinlich.

Das Magazin "Politico" hatte am Dienstag unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen aus dem Präsidialamt, Finanzministerium und Kongress berichtet, Präsident Donald Trumps WirtschaftsberaterGary Cohn habe beste Aussichten, Yellens Nachfolger zu werden. Er war früher Top-Manager beim Wall-Street-Giganten Goldman Sachs, wo er 1990 als Rohstoffhändler seine Karriere begonnen hatte. Yellens Amtszeit endet im Februar 2018. Trump hatte Yellen im Wahlkampf heftig kritisiert und ihr unter anderem vorgeworfen, nicht unabhängig zu sein.

Howard Schneider, Reuters

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