Dienstag, 20. November 2018

Torsten Hinrichs Ex-S&P-Chef will Scope zur führenden Ratingagentur in Europa machen

Hat Großes mit Scope vor: Ex-Deutschlandchef von Standard & Poor's, Torsten Hinrichs

15 Jahre leitete Torsten Hinrichs die Geschicke von Standard & Poor's in Deutschland. Jetzt will er Scope zur führenden Ratingagentur in Europa machen. Dafür wollen die Berliner Bonitätswächter etliche Top-Experten einkaufen.

Berlin - Der frühere Deutschlandchef von Standard & Poor's (S&P), Torsten Hinrichs, ist neuer Geschäftsführer der Ratingagentur Scope. Das teilte das Unternehmen mit Sitz in Berlin am Montag mit. Zugleich werde der Unternehmensgründer und bisherige Geschäftsführer Florian Schoeller Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Hinrichs hatte S&P im Januar verlassen und bei Scope große Pläne. Sein Ziel sei es, Scope als "die europäische Ratingagentur erster Wahl und als echte Alternative zur US-amerikanischen Konkurrenz zu etablieren", sagte er. "In drei Jahren sollen Investoren, die für ihre Anlageentscheidungen in Europa ein Rating aus europäischem Blickwinkel wollen, als allererstes auf Scope zurückgreifen. Und danach soll lange gar nichts kommen."

In der "Frankfurter Allgemeine Zeitung" zeigte sich Hinrichs optimistisch: Die Nachfrage nach Ratings für Unternehmen oder Finanzierungen in Europa sei vorhanden, "gerade in Südeuropa". Dort sei das Thema Finanzierung aufgrund der Lage der Banken generell schwierig.

Gegenüber den Großen wolle Hinrichs dabei auch mit einer moderneren Rating-Methode punkten. Scopes Ratings seien wesentlich prognostischer orientiert. So trage das Unternehmen zum Beispiel bei der Bewertung von Banken der Tatsache Rechnung, dass es Rettungsaktionen künftig nicht mehr geben werde.

Scope will sich mit hochkarätigen Analysten verstärken

Auch wenn S&P nicht müde werde zu betonen, dass man keine amerikanische, sondern internationale Agentur sei - letztlich werde doch eine einheitliche Methodologie verwendet, die ihren Stempel in den Staaten erhalte, monierte der ehemalige S&P-Mann.

Scope, die bei der Bewertung von Mittelstandsanleihen viel Kritik hatten einstecken müssen, wolle vor allem durch den Transfer von Wissen und Reputation für Kunden attraktiver werden. So stoße Britta Holt, 14 Jahre lang Analystin bei S&P und Fitch, als neue Leiterin des Unternehmebnsanleihen-Teams zu Scope. Zudem solle gut ein Dutzend weitere hochkarätige Leute Scope noch verstärken, heißt es in dem Bericht der FAZ weiter.

Das Ziel, eine große europäische Ratingagentur als Gegengewicht zu den US-dominierten Markt zu gründen, hatten vor zwei Jahren zuletzt die Berater von Roland Berger verfolgt. Berger wollte dafür 300 Millionen Euro Startkapital vor allem bei europäischen Großbanken einsammeln, war damit aber auf wenig Interesse gestoßen.

rei

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