Samstag, 30. Juli 2016

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Fast 700 Arbeitsplätze betroffen Wölbern-Anlageskandal treibt Medizin-Unternehmen in die Insolvenz

Millionenschwere Bürgschaften: Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte lässt hunderte Medizin-Mitarbeiter zittern
Wölbern Invest
Millionenschwere Bürgschaften: Wölbern-Invest-Chef Heinrich Maria Schulte lässt hunderte Medizin-Mitarbeiter zittern

Der Skandal um Heinrich Maria Schulte lässt nicht nur zehntausende Anleger zittern. Betroffen sind auch beinahe 700 Mitarbeiter des Medizinverbundes Endokrinologikum, an dem der Chef des Fondshauses Wölbern Invest beteiligt ist. Schultes Fall sorgt dort für mehrere Insolvenzen.

Hamburg - Der Skandal um den Inhaber und Chef des Fondsemissionshauses Wölbern Invest, Heinrich Maria Schulte, der Millionen Anlegergelder veruntreut haben soll und seit kurzem in Haft sitzt, zieht weitere Kreise. So hat das Amtsgericht Hamburg, nachdem Schultes gesamtes Vermögen eingefroren wurde, inzwischen für mehrere Gesellschaften des bundesweit agierenden Medizinverbundes Endokrinologikum mit Hauptsitz in Hamburg vorläufige Insolvenzverfahren eröffnet.

Der Grund: Schulte, von Haus aus Mediziner, ist mit 56 Prozent der Anteile Hauptgesellschafter der Medivision Betriebsgesellschaft, die als Holding des Endokrinologikums fungiert. Zudem war er bis vor kurzem Geschäftsführer in Gesellschaften des auf Hormon- und Stoffwechselerkrankungen spezialisierten Netzwerks. Vor allem aber bürgte Schulte mit seinem gesamten Privatvermögen für die Finanzierung von Investitionen des Medizin-Unternehmens, das er selbst maßgeblich aufgebaut hat.

Nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters, Rechtsanwalt Gideon Böhm von der Kanzlei Münzel & Böhm in Hamburg, war letzteres die Ursache für die Insolvenz der Medivision und inzwischen fünf weiterer Gesellschaften des Verbundes. "Schulte hatte die Finanzierung von Investitionen in den betroffenen Gesellschaften durch persönliche Bürgschaften gesichert", schreibt die Kanzlei in einer Mitteilung. "Da diese Sicherheit durch die Arrestierung des Schulte-Vermögens nun entfallen ist, konnten die Finanzierungszusagen gegenüber der Medivision-Gruppe nicht eingehalten werden." Genaue Angaben über die Summen, um die es dabei ging, macht der Insolvenzverwalter auch auf Nachfrage nicht.

Nach Informationen von manager magazin online handelt es jedoch um ein Volumen im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich für die Finanzierung verschiedener Projekte wie etwa Bauvorhaben für neue medizinische Zentren. Die akute Liquiditätslücke, die letztlich zu den Insolvenzen geführt hat, ist jedoch offenbar deutlich geringer. Sie liegt lediglich im niedrigen einstelligen Millionen-Euro-Bereich, heißt es in gut informierten Kreisen.

Mitarbeiter bekamen im September kein Gehalt

Damit trifft der Wölbern-Anlageskandal einen Medizinbetrieb von nicht unerheblicher Größe. Das Endokrinologikum betreibt medizinische Versorgungszentren an 14 Standorten in ganz Deutschland. Insgesamt beschäftigt der Verbund in den Bereichen Praxis, Diagnostik und Wissenschaft eigenen Angaben zufolge 170 Ärzte und 970 weitere Mitarbeiter.

Betroffen von den Insolvenzen sind nach Angaben des Insolvenzverwalters bislang mindestens 685 Mitarbeiter. Weil der Zugriff der Staatsanwaltschaft auf Schultes Gelder unmittelbar vor der Überweisung erfolgte, wurden nach Informationen von manager magazin online schon für den September in den insolventen Gesellschaften Gehälter nicht gezahlt. Sorgen brauchen sich die Betroffenen nach Angaben des Insolvenzverwalters jedoch nicht zu machen. Ihre Gehälter seien durch das Insolvenzgeld gesichert, so die Mitteilung.

Auch die Geschäftsleitung des Endokrinologikums bewertet den Einschnitt offenbar eher positiv. Geschäftsführer Bernard Frieling wollte aus einem Telefonat mit Einschätzungen zur Situation zwar nicht zitiert werden. Eine Email Frielings an die Mitarbeiter des Hauses, die manager magazin online vorliegt, gibt jedoch Aufschluss.

Die Insolvenz markiere den Übergang "von einer von Prof. Schulte dominierten Medivision zu einer Medivision ohne Prof. Schulte", schreibt Frieling. Es gebe nun die Chance auf einen Neustart ohne Altlasten, da aufgrund der Insolvenz "mindestens 2/3" der Darlehensverbindlichkeiten und andere Verpflichtungen wegfielen.

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