Donnerstag, 19. Oktober 2017

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S&K-Anlageskandal Finanzaktivitäten bringen TÜV ins Zwielicht

Wertvolles Gütesiegel: TÜV-Plakette an einem Kfz-Kennzeichen

Im Zusammenhang mit dem S&K-Anlageskandal wurden jetzt auch Räumlichkeiten des TÜV-Süd von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Es ist nicht das erste Mal, dass der Überwachungsverein wegen seiner Aktivitäten am Kapitalanlagemarkt ins Zwielicht gerät.

München - Im Anlageskandal um die Frankfurter S&K-Immobiliengruppe haben Fahnder Büros einer TÜV-Süd-Tochter in München durchsucht. Entsprechende Informationen des ARD-Wirtschaftsmagazins "Plusminus" bestätigten eine Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft und ein Sprecher des TÜV Süd. Der TÜV Süd sei aber kein Beschuldigter, die Aktion am vergangenen Donnerstag sei erfolgt, "weil wir nach Unterlagen gesucht haben", sagte die Sprecherin.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen zahlreiche Beschuldigte. Sie stehen im Verdacht, mit einem Schneeballsystem Anleger geprellt zu haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der Schaden mindestens auf einen dreistelligen Millionenbetrag beläuft. Damit wäre S&K laut Staatsanwaltschaft das größte laufende Betrugsverfahren in Deutschland.

Nach Angaben der Sprecherin haben bislang zwei Verdächtige Aussagen gemacht, ob diese aber als Geständnis gewertet werden könnten, könne sie nicht sagen. Die übrigen hätten sich bislang noch nicht geäußert.

Schon vor Monaten geriet der TÜV Süd im Zusammenhang mit dem S&K-Skandal in die Schlagzeilen. Anlegeranwälte kritisierten seinerzeit, der TÜV habe die Immobiliengeschäfte von S&K begutachtet, woraufhin die Immobiliengruppe mit dem TÜV-Siegel bei Anlegern um Vertrauen geworben habe.

TÜV bestreitet Zertifizierung

Auf Anfrage von manager magazin online teilte der TÜV daraufhin bereits im April mit, er habe weder die S&K Unternehmensgruppe als Ganzes, noch das Geschäftskonzept, noch einzelne Produkte oder Dienstleistungen dieser Gruppe zertifiziert. Es gebe somit auch kein Zertifikat, das kommunikativ hätte verwendet werden dürfen.

"Im Auftrag der Deutsche S&K Sachwert AG haben wir Mitte 2011 im Rahmen eines internen Audits die Immobilienan- und Immobilienverkäufe der S&K Unternehmensgruppe auf Grundlage vorgelegter Dokumente aufgelistet und die darin verzeichneten An- und Verkaufspreise in Summe zum damaligen Zeitpunkt gegenüber der Deutsche S&K Sachwert AG bestätigt", schrieb der TÜV an manager magazin online.

Audits für interne Zwecke seien individuell spezifizierte Überprüfungen einzelner Prozesse eines Unternehmens beziehungsweise die Feststellung eines Status Quo eines Teilbereichs und seien nicht mit einer umfangreichen Zertifizierung gleichzusetzen.

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