Sonntag, 28. August 2016

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Nach dem Platzen der Aktienblase Chinesen finden neuen Markt zum Zocken

Onlinehändler JD.com: Webadressen wie diese wechseln in China mitunter für Millionensummen den Besitzer (siehe Übersicht im Text)

Gerade verlieren die Chinesen viel Geld beim Absturz ihrer Aktienbörse, da haben sie schon das nächste Spielfeld zum Zocken entdeckt: den Handel mit Internetdomains. Vor dem Hintergrund des E-Commerce-Booms in dem Land stürzen sich tausende Investoren auf den Markt, auf dem Online-Adressen gehandelt werden, berichtet die US-Website Quartz.com. Auf diese Weise steige das Preisniveau im Domainhandel weltweit.

Wie Quartz.com berichtet, entfielen 2015 bereits 75 Prozent aller Webadress-Käufe rund um den Globus auf Erwerber aus der Volksrepublik. Von den 100 teuersten Verkäufen gingen im vergangenen Jahr demnach etwa 50 Prozent nach China.

"China ist ohne Zweifel zum größten Käufer kurzer Domain-Namen geworden", sagt Alan Dunn, Chef der Agentur NameCorp in Florida, der Website. Der Anteil der Chinesen am globalen Handel steige nach wie vor an, so Quartz.

Dabei dürften die offiziellen Zahlen nur einen Teil des tatsächlichen Geschehens widerspiegeln. Dem Bericht zufolge finden viele große Deals mehr oder weniger im Verborgenen statt. Ein Beispiel sei die Adresse porno.com, die jüngst den Besitzer gewechselt habe. Käufer sei sehr wahrscheinlich auch in dem Fall ein chinesischer Privatinvestor, wie der kolportierte Preis von 8.888.888 Dollar vermuten lasse. Denn die Ziffer 8 steht im Chinesischen symbolisch für Geld oder Vermögen.

Generell haben die Adressen, nach denen die chinesischen Käufer suchen, ein klares Profil: Kurz müssen sie sein, nach Möglichkeit nicht länger als vier oder fünf Stellen vor dem Punkt. Erlaubt sind so ziemlich alle Buchstaben des Alphabets, wobei Konsonanten bevorzugt werden.

Die 4 klingt wie "Tod"

Eine 0 dagegen sollte möglichst nicht in der Adresse vorkommen, schreibt Quartz.com, denn die ähnele zu sehr dem großen O. Ebenso wenig seien Adressen gefragt, die die Ziffer 4 enthalten, denn diese klinge in der chinesischen Aussprache wie "Tod". Die Ziffer 8 dagegen, die häufig mit Geld verdienen assoziiert werde, sei speziell bei Spiel- und Wett-Webseiten beliebt.

Wer nach diesen Kriterien fündig wird, erwirbt den Website-Namen indes keineswegs, um selbst einen Onlineshop oder etwas ähnliches darauf zu errichten. Die Hoffnung vieler Chinesen ist, die Internetadresse nach einer Weile mit Gewinn wieder verkaufen zu können.

So wie Zhang Ming, ein Start-up-Gründer, mit dem Quartz gesprochen hat. Die Domain guzhiwei.com habe er 2012 für umgerechnet 53 Dollar (rund 70 Euro) gekauft, sagt er, inspiriert durch eine bekannte chinesische Restaurantkette namens Guzhiwei. Ein halbes Jahr später habe ihm ein Unternehmen die Adresse für rund 3500 Dollar wieder abgekauft. Zudem erzählt Zhang von zwei weiteren Domains, die er für vierstellige Summen erworben habe, um sie kurz darauf für fünfstellige Beträge wieder abzustoßen.

Chinesen zahlen Millionen für Internetadressen - hier die größten Deals der letzten Zeit

Spitzenpreis: Die Internetadresse 360.com erwarb die chinesische Internet-Sicherheitsfirma Qihoo.com kürzlich für 17 Millionen Dollar. Es war der höchste Preis des Jahres. Weitere Millionendeals waren laut Quartz.com ...

... der Verkauf der Adresse we.com für acht Millionen Dollar an den Chat-Anbieter Wechat, ...

... der Verkauf von jd.com für fünf Millionen Dollar an den gleichnamigen chinesischen Onlinehändler, ...

... der Verkauf von mi.com für 3,5 Millionen Dollar an den Smartphone-Hersteller Xiaomi sowie ...

... der Verkauf von weibo.com für 1,25 Millionen Dollar an das Online-Medien-Unternehmen Sina.

Leute wie Zhang gaben sich kürzlich in Shenzhen auf dem ersten "Domain Day of China", einem großen Auktionsevent, ein Stelldichein. Mehr als 200 chinesische Investoren hätten dort umgerechnet rund 24 Millionen Dollar ausgegeben, um Domains wie house.com zu erwerben, so Quartz.com. Inzwischen habe sich schon eine regelrechte Industrie um das Geschäft gebildet, mit Auktionshäusern, Brokern, Agenturen und Bewertungsfirmen.

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