Samstag, 28. Mai 2016

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Letzte Bastion Warum Banken um den hohen Dispozins kämpfen

Streitthema Dispo: Überziehungskredite sind einer der letzten verlässlichen Ertragsbringer für die Privatkunden-Branche. 3,7 Milliarden Euro war 2011 der Nettozinsertrag aus dem Dispogeschäft

Die Dispozinsen der deutschen Banken sorgen seit Jahren für Ärger. Kunden und Verbraucherschützern sind sie vor allem zu hoch. Andere stören sich an mangelnder Vergleichbarkeit. Bislang geht die Strategie der Geldhäuser auf: Obwohl die Dispozinsen leicht sinken, verdienen die Banken brutto sogar mehr.

Frankfurt am Main - Alle Versuche, die Banken gesetzlich zu niedrigeren Zinsen und mehr Transparenz zu zwingen, sind bislang gescheitert. Immerhin hat Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner ihnen die Zusage abringen können, stark verschuldeten Kunden bei der Suche nach günstigeren Alternativen zu Dispokrediten zu helfen und ihre Konditionen im Internet zu veröffentlichen.

Dass sich die Institute hartnäckig gegen weitere Eingriffe wehren, ist aus deren Sicht verständlich: Schließlich sind Zinsen auf Überziehungskredite einer der letzten verlässlichen Ertragsbringer für die Privatkunden-Branche, die noch immer an den Folgen der Finanzkrise leidet. So verdienten die Banken 2011 insgesamt vor Steuern 24,3 Milliarden Euro, 3,7 Milliarden Euro davon war der Nettozinsertrag aus dem Dispo-Geschäft.

Zwar sind die durchschnittlichen Dispozinsen, wie Bundesbank-Daten zeigen, seit September 2010 im Schlepptau sinkender Leitzinsen kontinuierlich gesunken: von seinerzeit 10,17 auf inzwischen 9,52 Prozent. Die Daten sind nach Volumen gewichtet, die Zinsen einer großen Bank schlagen stärker zu Buche als die einer kleinen.

Allzu sehr freuen sollten sich die Kunden über die leicht rückläufigen Strafzinsen allerdings nicht. Denn die Banken verdienen heute immer noch sehr gut, wie die sogenannte Bruttomarge zeigt: Sie stieg sogar leicht an, wie Peter Barkow, Gründer der Finanzierungsberatung Barkow Consulting ermittelt hat.

Bruttomarge der Banken seit Herbst 2010 noch gestiegen

Gemessen am Interbankenzins Eonia seien die Bruttomargen - also das, was die Banken auf ihre Refinanzierungskosten aufschlagen - seit Herbst 2010 von 9,29 auf zuletzt 9,43 Prozent gestiegen - kein Riesensprung, aber doch eine merkliche Ausweitung. "Die Zahlen zeigen, dass die Initiative von Ilse Aigner bislang noch keinen wesentlichen Einfluss auf die Margen der Banken gehabt hat", sagt Barkow. Auch bei anderen Referenzzinssätzen wie dem Eonia gebe es keinen nennenswerten Effekt.

Natürlich geht von der Bruttomarge noch einiges ab: etwa eine Risikoprämie für mögliche Ausfälle sowie die Kosten des operativen Geschäfts. Trotzdem bleibt bei einer Bruttomarge von 9,4 Prozent für die Banken netto eine Menge übrig. Zum Vergleich: In der privaten Baufinanzierung liegt die durchschnittliche Bruttobestandsmarge Barkow zufolge bei 1,2 Prozent - und selbst dort bleibt den Banken in der Regel ebenfalls noch ein satter Gewinn.

Wie viel die Banken im Kampf um Dispozinsen und Bruttomargen zu verlieren haben, wird auch an einem anderen Beispiel klar: Sinkt die Durchschnittsmarge um einen Prozentpunkt, verdienen deutsche Banken auf einen Schlag 400 Millionen Euro weniger, hat Barkow errechnet.

In der Baufinanzierung dauert derselbe Effekt wegen der langen Laufzeit in der Regel zehn Jahre.

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