Dienstag, 27. September 2016

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Hohe Gebühren Dispozins - das Ende des Versteckspiels der Banken

Dispozinsen: Banken müssen ihre Zinssätze gut sichtbar online veröffentlichen

Oh wie gut, dass niemand weiß ...wie hoch die Dispozinsen sind? So oder so ähnlich scheinen die Sparkassen in Deutschland zu denken. Die meisten Filialen machen immer noch ein Geheimnis aus ihren Dispozinsen.

Die Recherche-Plattform Correctiv.org gibt nun in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung einen detaillierten Überblick über die Dispozinsen der Sparkassen. Online sind Angaben zur Höhe der Dispozinsen nur selten zu finden und auch vor Ort in der Filiale müssen Kunden in der Regel nachfragen.

Das haben 500 Nutzer gemacht und so den Dispozins von fast 400 Sparkassen an Correctiv.org weitergeleitet - mit verblüffendem Ergebnis: Die Dispozinsen der Sparkassen in Deutschland reichen von 5,7 bis 12,75 Prozent und scheinen willkürlich.

Die großen Schwankungen lassen sich auch nicht durch regionale Unterschiede erklären, wie ein Vergleich im Sauerland deutlich macht. Bei der Sparkasse Olpe-Drolshagen-Wenden zum Beispiel ist ein Dispozins von 11,25 Prozent fällig, nur wenige Autominuten entfernt - in Siegen - sind es lediglich 8,72 Prozent.

Ähnlich sieht es in anderen Teilen der Bundesrepublik aus. Rutscht das Konto ins Minus, sollte dies schleunigst ausgeglichen werden, denn Dispozinsen werden täglich fällig und dienen der Bank als willkommene Einnahmequelle. Denn dank eines Leitzinses nahe null können sich die Sparkassen sehr günstig bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren und durch hohe Zinsen für die Kunden hohe Margen einfahren.

Die Problematik ist nicht neu - bereits Ende des Jahres 2013 legte Heiko Maas als Chef des Verbraucherministeriums einen Gesetzesentwurf für mehr Transparenz vor. Erst am 18. Februar diesen Jahres wurde das Gesetz nach langer Debatte verabschiedet. Die Höhe des Dispozinses ist zwar immer noch nicht geregelt, Banken müssen aber in Zukunft die Dispositionszinsen auf ihrer Website veröffentlichen - und zwar gut sichtbar und nicht im Kleingedruckten.

Bank muss Kunden alternative Finanzierung anbieten

Besonders sollen Kunden geschützt werden, die langfristig im Minusbereich ihres Girokontos liegen. Dafür gibt es in dem neuen Gesetz zwei Regelungen. Wenn ein Bankkunde zum Beispiel einen Disporahmen von 10.000 Euro vereinbart hat und diesen über sechs Monate hinweg im Schnitt zu 75 Prozent ausnutzt, also 7500 Euro im Minus ist, ist die Bank verpflichtet, dem Kunden eine alternative Finanzierung anzubieten.

Eine Refinanzierung müssen die Banken auch im zweiten Fall anbieten. Dieser tritt ein, wenn ein Bankkunde über drei Monate hinweg ein Minus hat, was die Hälfte des gesamten Geldeingangs auf dem Konto übersteigt. Sprich, es gehen 2000 Euro monatlich ein, das Dispo beträgt aber über mehr als zwölf Wochen im Schnitt 1000 Euro. Die Initiative zur Refinanzierung muss dann von den Banken ausgehen - das war vorher nicht so.

Verbraucherschützer bleiben skeptisch

Frank-Christian Pauli, Finanzexperte des Bundesverbands der Verbraucherzentrale äußert sich dennoch skeptisch: "Die Deckelung des Dispozinses fehlt nach wie vor. Der regulierende Marktmechanismus wirkt im Fall des Dispozinses nicht. Der Verbraucher nimmt den Zins nur als eine Komponente neben Kontoführungsgebühren und anderen Kosten wahr. Daher kann der Verbraucher nur schwer vergleichen."

Der Verbraucherschützer erhofft sich durch das neue Gesetz mehr Transparenz. Er bezweifelt aber, dass diese Maßnahme allein das Marktgleichgewicht herstellt.

Wie hoch die Dispozinsen der Sparkasse in Ihrer Nähe sind, erfahren Sie hier.

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