Sonntag, 25. September 2016

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Deutschland und die Eurokrise Zehn Gründe, warum wir die Verlierer des Euro sind

Der Euro entwickelt sich zu einer deutlich schwächeren Währung, als es die D-Mark einst war - zum Nachteil der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

Wann immer die Eurokrise neu entflammt, übertreffen sich die Kommentatoren im In- und Ausland mit dem mahnenden Hinweis, dass wir Deutschen die eigentlichen Profiteure des Euro seien. Die Einführung der Einheitswährung hätte erst die Grundlage für Export- und Beschäftigungsboom gelegt. Nur so konnten die deutschen Unternehmen Markanteile gewinnen und der Produktionssektor in den anderen Euroländern derart schrumpfen. Demzufolge wäre es auch nur richtig, wenn wir uns nun besonders solidarisch zeigen und die Kosten für die Eurorettung tragen. Es wäre ja in unserem eigenen Interesse.

Wirklich? Man kann das auch ganz anders sehen: der sprichwörtliche Mann auf der Straße dürfte nämlich nicht zu den Gewinnern der Gemeinschaftswährung gehören. Wo immer man genauer hinblickt muss man erkennen, dass der Euro zu einer Verringerung des deutschen Wohlstandes und der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit geführt hat, nicht zu einer Verbesserung. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.

  • Zu Zeiten der D-Mark stand die deutsche Wirtschaft unter konstantem Aufwertungsdruck. Die Währung der Haupthandelspartner, der französische Franc, die italienische Lira oder auch der US-Dollar werteten in schöner Regelmäßigkeit gegenüber der Mark ab. In der Folge war die deutsche Wirtschaft zu anhaltenden Produktivitätszuwächsen gezwungen. So wuchs die Produktivität in den Jahren vor der Euroeinführung deutlich schneller als in der Zeit danach. Seit dem Jahr 2000 liegt die Entwicklung der Produktivität hinter den Fortschritten in den meisten Industrieländern inklusive der heutigen europäischen Krisenländer wie Spanien.
  • In der Folge wuchs das BIP pro Kopf - der entscheidende Indikator für die Entwicklung des Wohlstands - ebenfalls langsamer als vor der Einführung des Euro. Lief die Entwicklung bis 2000 noch halbwegs parallel zu Schweiz - wenn auch auf tieferem Niveau - so ist Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zurückgefallen. Wir haben uns darauf konzentriert billiger zu produzieren - statt besser. Dies wird nachhaltig die Entwicklung der deutschen Wirtschaft belasten.
  • Die deutschen Konsumenten haben bis zur Einführung des Euro von den Abwertungen der anderen Länder profitiert. Importierte Waren und Urlaube wurden billiger. Seit dem Jahr 2000 hat sich dies geändert. Die Importe wurden teurer und gleiches gilt für den Urlaub. Um weiterhin billig Urlaub machen zu können, musste man außerhalb des Euroraums reisen, Türkei statt Griechenland war das Motto. Damit sank die Kaufkraft des Durchschnittdeutschen.

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