Dienstag, 26. März 2019

Deutschland und die Eurokrise Zehn Gründe, warum wir die Verlierer des Euro sind

Der Euro entwickelt sich zu einer deutlich schwächeren Währung, als es die D-Mark einst war - zum Nachteil der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands

2. Teil: Der Euro hat die Rezession in Deutschland verlängert

  • In den ersten Jahren nach der Einführung des Euro profitierten die anderen Länder von dem deutlich tieferen Zinsniveau, welches sie der von der Bundesbank auf die EZB übergegangenen Glaubwürdigkeit verdankten. Dabei waren die Zinsen für die heutigen Krisenländer zu tief, was einen einmaligen, schuldenfinanzierten Boom in diesen Ländern auslöste. Die Zinsen für Deutschland, welches unter anderem an einem überhöhten Wechselkurs zur Euroeinführung litt, waren dagegen zu hoch. Die EZB musste einen Mittelweg gehen, der - wie sich herausstellte - für alle Länder der falsche war. Die Rezession in Deutschland war deshalb tiefer und länger, als sie ohne den Euro gewesen wäre. Die Regierung war gezwungen, Ausgaben zu kürzen und die Arbeitsmarktreformen durchzuführen, die zu geringeren Löhnen in Deutschland führten. In Summe stagnierten die Einkommen der Durchschnittsbürger mehr als 10 Jahre lang. Deutschland war der kranke Mann Europas, während Spanien als Musterbeispiel für eine gute wirtschaftliche Entwicklung galt. Erst später wurde deutlich, dass es in Spanien nur eine gigantische, schuldenfinanzierte Immobilienblase war.

  • Um die Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen, setzte Deutschland auf die Wiedergewinnung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit über Kostensenkung statt über Produktivitätsverbesserung. Die stagnierenden Löhne führten zu geringeren Steuereinnahmen, während die Exporte zulegten. Somit hat der Euro es Deutschland nicht "erlaubt", Handelsüberschüsse zu erzielen - der Euro hat diese erzwungen. Die geringe Binnennachfrage ist der Hauptgrund dafür, dass die Wirtschaft sich auf den Export konzentrierte.
  • Die deutschen Unternehmen haben von der Lohnzurückhaltung und dem schuldenfinanzierten Boom in den anderen europäischen Ländern profitiert. Die Exporte boomten. Dabei ist es wichtig, zwei Aspekte dieser Entwicklung zu beleuchten: a) der Schulden- und Konsumboom in den heutigen Krisenländern führte zu einer Übernachfrage nach Gütern und Kapital, die per Definition nur aus dem Ausland kommen konnte b) diese Güter und die Finanzierung hätte theoretisch von überall herkommen können. Dank der durch Kostensenkung gestiegenen Wettbewerbsfähigkeit konnten deutsche Unternehmen davon überproportional profitieren.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung