Dienstag, 24. Oktober 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Deutsche Telekom und T-Mobile US Besser mit oder ohne Dividende?

Der eine zahlt Dividende, der andere nicht: Telekom-Chef Timotheus Höttges (links) und John  Legere, Chef der Telekom-Tochter T-Mobile US
DPA, Getty Images for HBO
Der eine zahlt Dividende, der andere nicht: Telekom-Chef Timotheus Höttges (links) und John Legere, Chef der Telekom-Tochter T-Mobile US

Zur Person
Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius Management in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Aufsicht der Bafin.

Es wird oft zu Recht gesagt, dass Anleger sich auf Unternehmen konzentrieren sollen, die gute Dividenden zahlen. Es kann aber auch wesentlich lukrativer sein, Unternehmen in derselben Branche anzusehen, die absichtlich keine Dividenden bezahlen. Für die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen und ihre Tochter T-Mobile US Börsen-Chart zeigen gelten sozusagen beide Strategien.

Die Deutsche Telekom ist ein ursolides und sehr gut geführtes Unternehmen mit hoher Prognosesicherheit. Vor kurzem wurden wieder solide Prognosen eines Anstiegs des Betriebsgewinns um 4 Prozent auf 22,2 Milliarden Euro für das Jahr 2017 nach 21,4 Milliarden Euro im Vorjahr bestätigt. Im ersten Quartal wurde immerhin schon ein Plus von 7,5 Prozent erwirtschaftet. Der Umsatz kletterte um 6 Prozent auf 18,7 Milliarden Euro.

Seit Jahren erwirtschaftet die Telekom derartige solide Ergebnisse und kann damit auch eine ordentliche Dividende bezahlen. Die Dividendenrendite liegt derzeit bei 3,86 Prozent. Über die vergangenen fünf Jahre sieht das Bild gut aus: Der Kurs Börsen-Chart zeigen hat in dieser Zeit einschließlich Dividenden um 120 Prozent zugelegt. Dies ist eine sehr attraktive Gesamtrendite für ein Unternehmen mit hoher Sicherheit und Solidität. Es ist aufgrund der Kontinuität des Geschäftes in der Zukunft auch nicht mit großen Gewinnschwankungen bei der Deutschen Telekom zu rechnen. Sie dürften allenfalls zwischen 5 und 10 Prozent liegen.

Aber ohne Dividende sieht die Sache noch wesentlich interessanter aus: Die amerikanische Tochter T-Mobile US betreibt Mobilfunk und hat dort inzwischen 72 Millionen Kunden, fast so viele Kunden wie die Bundesrepublik Einwohner zählt. Dividenden zahlt die Tochter nicht, die Erträge werden ins Geschäft reinvestiert. Der Gewinn der T-Mobile US steigt seit vielen Jahren um etwa 15 Prozent bis 20 Prozent im Jahr. Für die nächsten fünf Jahre wird auch wieder ein Anstieg von etwas mehr als 20 Prozent im Jahresschnitt erwartet.

Hier kommen dann ganz andere Erträge für den Aktionär zustande: In den vergangenen 12 Monaten ist der Kurs von T-Mobile US um knapp 30 Prozent gestiegen - auf Sicht von fünf Jahren sind es sogar nahezu 400 Prozent. Das Erfolgsgeheimnis in Amerika ist der sehr dynamische Chef John Legere, der in dem sehr wettbewerbsintensiven Markt USA gute Gewinnmöglichkeiten gefunden hat.

Das Mobilfunkgeschäft ist wesentlich risikoreicher

Das Mobilfunkgeschäft ist allerdings auch wesentlich risikoreicher und mit höheren Schwankungen gesegnet. So hat die Deutsche Telekom die schlechten Jahre 2008 und 2009 einigermaßen überstanden, der Kurs erreichte im Jahr 2011 wieder das Niveau von vor der Krise.

Demgegenüber ist der Kurs von T-Mobile US von Mitte 2007 bis Anfang 2008 von 80 US-Dollar auf ungefähr 10 US-Dollar gefallen. Dem folgte eine Erholung auf 35 Dollar und wiederum ein Rückgang im Jahr 2011 um 12 bis wieder in die Nähe von 10 Dollar. Dort begann dann die bis heute anhaltende Erholung auf mehr als 60 Dollar. Im Fall einer allgemeinen Krise oder auch einer Schwäche des Marktes in den USA, oder auch einer ausgemachten Schwäche des Unternehmens ist mit sehr starken Kursverlusten zu rechnen.

Die Rechnung sieht also so aus: Die Deutsche Telekom Börsen-Chart zeigen mit Dividende hat eine Erwartung für einen Gesamtertrag, der bei Anhalten der gegenwärtig günstigen Verhältnisse um die 10 Prozent im Jahr liegen dürfte. Die bislang dividendenlose T-Mobile US hat auf absehbare Zeit eine Erwartung für einen Gesamtertrag, der über 20 Prozent im Jahr liegen könnte.

Wer Vermögen aufbauen will, ist nach unserer Meinung mit der Wachstumsvariante ohne Dividende besser bedient, sollte aber die Entwicklung in den USA aufmerksam verfolgen, um bei Wachstumsschwäche oder beim Auftauchen irgendwelcher Schwierigkeiten schnell verkaufen zu können.

Es gibt auch strategische Möglichkeiten: T Mobile könnte zukaufen, oder aber selbst verkauft werden. In beiden Fällen sind kräftige Kursbewegungen zu erwarten.

© manager magazin 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH