Dienstag, 28. Juni 2016

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Familienbank vor Angestelltenbank Warum Santander die Deutsche Bank um Längen schlägt

Banco Santander: Kein großes Rad gedreht, über die Jahre kontinuierlich gewachsen und mehr Wert für die Aktionäre geschaffen
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Banco Santander: Kein großes Rad gedreht, über die Jahre kontinuierlich gewachsen und mehr Wert für die Aktionäre geschaffen

Zur Person
Georg Thilenius ist geschäftsführender Gesellschafter der bankunabhängigen Vermögensverwaltung Dr. Thilenius Management in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der Aufsicht der Bafin.
Aus Sicht eines Anlegers gibt es Familienbanken und Angestelltenbanken. Bei den Familienbanken liegt der maßgebliche Teil des Kapitals in der Hand einer Familie, die das Ziel verfolgt, langfristig für künftige Generationen das Kapital der Familie zu mehren. Oft wird das Management von der Familie selbst gestellt und, wenn nicht, sorgfältig ausgesucht. Beispiele hierfür sind Santander im Eigentum und in der Verwaltung der Familie Botin und die sehr gut geführte Warburg Bank.

Angestelltenbanken haben meistens keine dominierenden Großaktionäre, sondern institutionelle Anleger wie Versicherungen, Pensionskassen und andere. Hier liegt der Planungshorizont nahe der Vorstandsverträge der Eigentümerinstitutionen, also erfahrungsgemäß bei etwa fünf bis zehn Jahren.

Die Manager der Bankeigentümer haben selten nennenswerte Kapitalanteile an diesen Gesellschaften, dafür sind diese auch viel zu groß. Die angestellten Manager dieser Banken haben ebenfalls einen Planungs- und Zeithorizont, der in der Nähe der Laufzeit der Vorstandsverträge von in der Regel fünf, mit Verlängerung bis zu zehn Jahren liegt. Kaum ein angestellter Bankmanager hat erwähnenswerte Aktienpositionen am Institut. Beispiele hierfür sind die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Anleger wollen nun gerne wissen, bei welcher Art von Instituten sich das Zugreifen auf der derzeit niedrigen Bewertungsbasis für Banken-Werte denn lohnen könnte: Bei einem kontinuierlich, aber vielleicht nicht besonders dynamisch wachsenden Institut. Oder bei einem sehr dynamisch geführten Institut, dessen Ertragsentwicklung dafür auch größeren Schwankungen ausgesetzt sein kann.

Joseph Ackermann hatte mit Beginn seiner Amtszeit als Chef der Deutschen Bank 2002 dem Institut eine neue Strategie mit starker Betonung des Investmentbanking verordnet. Deshalb sind die 12 Jahre bis zum Stichtag Ende 2014 seither ein guter Zeitpunk, um den Vergleich mit Santander unter der Leitung von Ana Botin mit einer auf das Privatkundengeschäft konzentrierten, eher risikoarmen Strategie anzusehen.

Der Vergleich des Buchwertes je Aktie zeigt, dass dieser sich für Aktionäre der Deutschen Bank in dieser Zeit um 32 Prozent erhöht hat, aber die konservative und risikoarme Retailbankingstrategie der Banco Santander sich in einem Zuwachs von 73 Prozent niedergeschlagen hat.

Buchwert je Akte der Santander wuchs doppelt so schnell

Beide Institute haben einen Rückgang des Gewinns zu verzeichnen. Trotz der großen Bedeutung des shareholder value bei der Deutschen Bank ist dieser jedoch um 38 Prozent zurückgegangen, während bei Banco Santander ein Rückgang von nur 6 Prozent zu Buche steht.

Die Dividende hat sich bei der Deutschen Bank bis 2014 halbiert und fällt für 2015 aus, während sie bei Banco Santander in diesen 12 Jahren um 30 Prozent gestiegen ist. Die Dividendenrendite für 2015 liegt bei 7 Prozent.

Für Anlageentscheidungen bei Banken ist auch wichtig, wie viel Eigenkapital in Prozent der Bilanzsumme vorhanden ist. Dies lässt Rückschlüsse auf die Resistenz gegen Verlust auf der Aktivseite zu.

Risikoärmere Strategie hat sich über Jahre für die Aktionäre bezahlt gemacht

In der Deutschen Bank beträgt das Eigenkapital in Prozent der Bilanzsumme 4,2 Prozent. Mit 7,1 Prozent hat die Banco Santander jedoch eine wesentlich höhere Eigenmittelquote als die Deutsche Bank.

Nach Auswertung dieser Kennzahlen hat sich also die risikoärmere Strategie der Banco Santander in wesentlich besseren Ergebnissen für die Aktionäre niedergeschlagen.

Der Ausblick für das Jahr 2015 lässt bei Santander eine leichte Gewinnerhöhung erwarten. Die Deutsche Bank hat kürzlich einen hohen Verlust für 2015 in Aussicht gestellt.

Anleger sollten daher nach unserer Meinung die Familienbank Santander vorziehen bis klar wird, ob die neue Strategie der Deutschen Bank besser als die bisherige funktioniert.

Ana Patricia Botin führt die spanische Banco Santander im Familienbesitz

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