Freitag, 20. Juli 2018

Zweifel am Kulturwandel Richter wirft Deutscher Bank versuchten Prozessbetrug vor

"Eigentlich selbstverständlich": CEO John Cryan kämpft bei der Deutschen Bank offenbar mitunter gegen Windmühlen

Juristische Vergehen und Aktivitäten am Rande der Legalität - all das sollte bei der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen eigentlich der Vergangenheit angehören. Schon die Konzernchefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain waren 2012 mit dem Versprechen angetreten, Deutschlands größtem Geldhaus einen Kulturwandel zu verpassen. John Cryan, der derzeitige CEO des Instituts, konkretisierte zudem noch vor Kurzem in einem Interview mit der "Börsenzeitung": "Ich weiß nicht, ob Kultur dafür der richtige Begriff ist - wir sind eine große Organisation mit verschiedenen Kulturen. Entscheidend ist, dass überall Integrität über allem steht. Das muss unser Standard sein. Aber das ist eigentlich selbstverständlich."

Zehn Jahre nach Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise, in der auch die Deutsche Bank keine allzu gute Figur machte, stellt sich allerdings die Frage, ob diese Integrität bei der Deutschen Bank inzwischen wirklich so selbstverständlich ist, wie es der Chef des Unternehmens offenbar gerne hätte. Ein aktueller Fall jedenfalls lässt daran Zweifel aufkommen.

Das "Handelsblatt" berichtet über eine Klage eines Schiffsfonds-Anlegers, wie sie derzeit zu Tausenden in deutschen Gerichtssälen verhandelt werden: Die Beteiligung eines Investors floppt, woraufhin dieser versucht, seine Verluste per Schadensersatz vom Fondsanbieter oder dessen Vertriebspartnern zurückzubekommen.

Im vorliegenden Fall wandte sich der Geldanleger auf diese Weise gegen die Deutsche Bank, bei der er seinen Fondsanteil gezeichnet hatte, und errang einen Sieg: Das Institut muss dem Kunden die Beteiligung - er hatte 14.300 Euro in den Schiffsfonds "Bulkerflotte 1" vom Hamburger Emissionshaus Nordcapital gesteckt - inklusive Zinsschaden ersetzen, urteilte das Landgericht Heilbronn.

So weit, so alltäglich. Bemerkenswert ist allerdings, was das Gericht der Zeitung zufolge der Deutschen Bank in seiner Urteilsbegründung vorwirft. Demnach machte das Institut vor Gericht Angaben zu der Frage, wann dem Anleger der Emissionsprospekt des fraglichen Fonds überreicht worden war - und diese Angaben wichen von dem ab, was aus Unterlagen der Bank hervorging.

Bei diesen falschen Angaben im Gerichtssaal, so zitiert das "Handelsblatt" aus der Urteilsbegründung, handelte es sich nach Ansicht der Heilbronner Richter um "versuchten Prozessbetrug". "Einen Irrtum schließt das Gericht aus", heißt es demnach in dem Urteil, das laut "Handelsblatt" noch nicht rechtskräftig ist, und gegen das die Bank dem Bericht zufolge Berufung eingereicht hat.

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