Dienstag, 22. Mai 2018

Geldhaus sammelt 4,5 Milliarden Dollar ein Kapital wird für Deutsche Bank immer teurer

Die Deutsche Bank ist angeschlagen, findet gleichwohl selbst für große Finanzierungen noch Zugang zu Investoren. Offenbar auch zur Allianz-Tochter Pimco, dem größten Anleihe-Händler der Welt. Diese Investoren lassen sich ihr Risiko aber gut bezahlen

Das Vertrauen in die Deutsche Bank ist angeschlagen. Braucht sie Geld zur Refinanzierung, zapft sie auch den privaten Kapitalmarkt an. Bei einer Privatplatzierung sammelte sie rund 4,5 Milliarden Dollar ein - der Risikoaufschlag ist hoch. Die Allianz-Tochter Pimco soll zugegriffen haben.

Wenn sich die Deutsche Bank derzeit Geld leiht, muss sie den Investoren schon etwas bieten. Mit anderen Worten: Die Bank muss einen attraktiven Zins zahlen, damit die Investoren das Risiko auch wagen.

Dass viele Anleger die Bank derzeit als Risiko-Investment interpretieren, lässt sich kaum besser ablesen als am Aktienkurs, der seit Jahresbeginn fast um die Hälfte gefallen ist. Er spiegelt das arg ramponierte Vertrauen in die Liquidität des Instituts wider und in ihre Fähigkeit, trotz dünner Kapitaldecke drohende Milliardenstrafen in den USA wegstecken zu können.

Leiht sich die Deutsche Bank bei anderen Banken Geld, muss sie derzeit sogar mehr dafür bezahlen als italienische Geldinstitute, die unter einer milliardenschweren Last von schlechten Krediten ächzen. Das zeigen am Mittwoch von Reuters ausgewertete Euribor-Daten.

Zwar mögen Zinssätze von 0,02 Prozent für neun Monate oder 0,06 Prozent für ein Jahr gering erscheinen. Andere europäische Banken im Euribor-Kreis allerdings können sich derzeit Geld zum Nulltarif borgen oder verdienen sogar daran.

Eine weitere Finanzierungsquelle ist der Weg über Anleihen, die die Frankfurter am öffentlichen Kapitalmarkt platzieren könnten. Doch derzeit scheint die Deutsche den Weg über Privatplatzierungen zu bevorzugen. 1,5 Milliarden Dollar hat die Bank laut Bloomberg aktuell auf diesem Weg eingesammelt. Käufer sollen zum Großteil die gleichen Investoren sein, die bereits bei einer 3 Milliarden Dollar schweren Privatplatzierung der Deutschen Bank vor einer Woche mit an Bord waren.

Auch die Allianz-Fondstochter Pimco soll sich im großen Stil daran beteiligt haben, berichtet Reuters unter Berufung auf einen Insider, nannte aber keine Zahlen. Pimco wollte sich dazu nicht äußern.

Mit 290 Basispunkten Aufschlag nur knapp unter Junk-Bond-Niveau

Experten vermuten, dass die Bank bei einer regulären Emission wegen des Vertrauensschwunds aktuell eine noch deutlich höhere Prämie zahlen müsste, was dann das Vertrauen in das Institut quasi selbst verstärkend weiter unterminieren könnte. Deshalb wähle sie den Weg über die Privatplatzierung, betonen Experten von JPMorgan Chase gegenüber Bloomberg.

Doch billig ist auch dieser Weg nicht. Mit 290 Basispunkten über der Benchmark lag der Aufschlag nur knapp unter jenen 300 Basispunkten, die derzeit im Schnitt für hochbewertete Junk-Bonds aufgerufen werden. Zum Vergleich: Für eine ähnliche Notiz im August letzten Jahres zahlte die Deutsche noch 143 Basispunkte.

Mit den zwei Platzierungen hat die Bank nun 4,5 Milliarden Dollar eingespielt. Die Papiere sind mit einem Zinskupon von 4,25 Prozent ausgestattet und werden 2021 fällig. Bei dem gegenwärtigen Zinsniveau gilt das als attraktiv. Doch muss der Anleger in diesem Fall auch darauf vertrauen, dass die "gefährlichste Bank der Welt" (IWF) nicht pleite geht.

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