Freitag, 21. Juli 2017

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China und Katar im Blick EZB erwägt Prüfung der beiden größten Deutsche-Bank-Aktionäre

Deutsche Bank will in neue Ära starten: Die wichtigsten Akteure der Deutschen Bank
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DPA

Die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank (EZB) erwägen eine Überprüfung der beiden größten Deutsche-Bank-Anteilseigner aus China und Katar. Es könne ein sogenanntes Inhaberkontrollverfahren geben, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" am Montag unter Berufung auf Aufsichtskreise. Auch die Nachrichtenagentur "Reuters" meldete entsprechende Informationen. Ende Mai hatte das manager magazin bis dato unbekannte Verbindungen zwischen den beiden Großaktionären und die geheimnisvolle Rolle des Ex-Vorstands Michele Faissola aufgedeckt.

Die EZB und die Deutsche Bank wollten sich auf Anfrage nicht zu dem Bericht äußern. Die Aufseher würden das ausdrücklich auch dann nicht tun, wenn sie ein solches Verfahren beschlossen oder in Gang gesetzt hätten.

Untersucht werden könnte auch nur einer der beiden Teilhaber: das chinesische Unternehmen HNA und Vertreter der Herrscherfamilie von Katar. Die kontrollierten zwar nur jeweils etwas weniger als 10 Prozent der Anteile, würden aber womöglich trotzdem erheblichen Einfluss ausüben, unabhängig davon, ob zwischen ihnen eine Verbindung besteht oder nicht.

Die Aufseher würden daher erwägen, ein solches Verfahren anzustoßen, obwohl das deutsche Kreditwesengesetz dies erst ab einem Anteil von 10 Prozent vorsieht. Dabei wird untersucht, ob der Anteilseigner vertrauenswürdig und finanziell gesund ist, woher das Geld für das Investment kommt, und ob der Investor in kriminelle Handlungen wie etwa Geldwäsche oder Terrorfinanzierung verwickelt ist.

Im Fall der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen könne die EZB-Aufsicht erstmals eine Ausnahmeregelung nutzen, die ein Verfahren auch bei Anteilen unter 10 Prozent zulasse, berichtete die Zeitung. Dazu müssten die Finanzaufseher nachweisen, dass die Aktionäre erheblichen Einfluss auf das Geldhaus ausüben. "Wie das ausgeht, ist noch offen, aber sie werden wohl behandelt, als hielten sie mehr als 10 Prozent", zitierte die "SZ" einen Insider.

Die beiden Großaktionäre haben jeweils einen eigenen Vertreter im Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Darüber hinaus können sie zusammen angesichts der notorisch niedrigen Präsenz auf der Hauptversammlung wichtige Entscheidungen der Bank blockieren.

Für die deutsche Aufsichtsbehörde Bafin hatte deren Chef Felix Hufeld den Einstieg der Chinesen als "positive Geschichte" begrüßt. Die Deutsche Bank verfügte lange Zeit über keinen stützenden Ankeraktionär. Nun gibt es gleich zwei solche Garanten gegen feindliche Übernahmen - und Kapitalgeber in der Not. Noch im vergangenen Jahr war Staatshilfe für die Deutsche Bank im Gespräch.

Deutscher Bank droht Ärger wegen möglicher Absprachen von HNA und Katar

Wie manager magazin bereits vor wenigen Wochen berichtet hatte, drohen der Deutschen Bank außerdem Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse auf ihrer jüngsten Hauptversammlung. Demnach sollen sich die Großaktionäre Hamad Bin Khalifa Al Thani und Hamad Bin Jassim Bin Jabor Al Thani aus Katar mit der chinesischen HNA-Gruppe informell zu einem Stimmrechtsbündnis zusammengeschlossen haben.

la/ak/dpa/reuters

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