Dienstag, 12. Dezember 2017

Kein Wohlstand ohne Schuldenabbau So wird die Welt die Schulden los

Die Schulden steigen nicht nur in Deutschland
DPA / Bund der Steuerzahler
Die Schulden steigen nicht nur in Deutschland

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos geht es zentral um eine gerechtere Einkommens- und Vermögensverteilung. Diese braucht höhere Wachstumsraten, dafür wiederum müssen die Schulden deutlich senken. Lesen Sie, welche Optionen es gibt und welche Realisierungschance sie haben.

Daniel Stelter

Jamie Dimons Warnung war unmissverständlich. Der Unmut in der Bevölkerung, der zum Brexit geführt habe, sei nicht auf Großbritannien beschränkt, sagte der Chef der derzeit weltweit erfolgreichsten Bank, JP Morgan, am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davosim Interview mit Bloomberg. Wenn die europäischen Staatslenker die Sorgen der Bürger etwa vor Immigration nicht ernst nähmen, würden Populisten wie Marine Le Pen an die Macht kommen, und "die Euro-Zone würde das wohl nicht überleben".

Auf dem Treffen der Weltwirtschaftselite in Davos wird immer offener angesprochen, was die Voraussetzungen sind, um die Welt vor einem Rückfall in Nationalismus und Protektionismus zu bewahren. Aus meiner Sicht liegen die Themen auf der Hand: gerechtere Einkommens- und Vermögensverteilung und vor allem mehr Wohlstand für alle.

Es geht also um Wirtschaftswachstum. Die Welt hat sich allen Anstrengungen zum Trotz nicht von den Folgen der Finanzkrise erholt. Überall liegt die wirtschaftliche Entwicklung unter dem Vorkrisentrend. Das Wachstum ist schwach und die besonders gebeutelte Eurozone hat erst 2016 wieder das Niveau von 2008 erreicht. Länder wie Italien und Spanien sind noch weit davon entfernt. Kein Wunder, dass die populistischen Strömungen an Zuspruch gewinnen.

Immer offener wird auch das entscheidende Problem angesprochen, ohne dessen Bereinigung eine Rückkehr zu höheren Wachstumsraten undenkbar erscheint: die Überschuldung der Welt. Allem Gerede vom Schuldenabbau zum Trotz, steigt die weltweite Verschuldung von Staaten, Privaten und Unternehmen immer weiter. Nach den letzten Zahlen auf immerhin 217.000 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 325 Prozent des Welt-BIP. Im Euroraum sieht es mit 470 Prozent vom BIP noch schlimmer aus. Rechnet man Deutschland heraus, liegt der Wert mit atemberaubenden 557 Prozent, 67 Prozentpunkte über dem Niveau des Jahres 2009 wie Thomas Mayer von Flossbach von Storch vorrechnet.

Noch deutlicher kann man nicht zeigen, dass die Notenbanken - allen voran die EZB - nur Illiquidität jedoch nicht Insolvenz bekämpfen können. So hat die EZB der Politik Zeit gekauft zu handeln. Und die Politik - allen voran die deutsche Bundesregierung - hat diese Zeit nicht genutzt.

Die Politik hat die erkaufte Zeit bislang nicht genutzt

Ohne eine Bereinigung der Schuldenlast geht es nicht. Dabei sind die Dimensionen um die es geht gigantisch. Niemand kann mit Bestimmtheit sagen, wie viele Schulden in einer überalterten Gesellschaft mit strukturell geringeren Wachstumsraten tragbar sind. Vor allem auch deshalb, weil diese Zahlen die versteckten Verbindlichkeiten für künftige Renten- und Gesundheitskosten noch nicht einmal beinhalten.

Letztere dürften sich je nach Land ebenfalls auf mehrere hundert Prozent des BIP belaufen, so Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Orientiert man sich an früheren Schuldenständen, kommt man leicht auf fünf Billionen Euro an faulen Schulden, die nicht mehr ordentlich bedient werden können, alleine im Euroraum.

Wie könnten wir diese Schulden loswerden? Gehen wir die Optionen durch:

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