Sonntag, 22. April 2018

Finanzierung der westlichen Länder Das größte Ponzi-Schema der Geschichte

Die ersten Investoren mit dem Geld der folgenden Investoren bedienen: Das größte Ponzi-Schema aller Zeiten läuft noch immer. Es wurde von den westlichen Ländern aufgelegt. Nun nähert sich der Punkt, wo auch hier mehr Leute aussteigen als einsteigen

Im Jahre 1920 hat der italienische Einwanderer Charles Ponzi die Bostoner Society um rund 250 Millionen US-Dollar (in heutiger Kaufkraft) betrogen. Er behauptete, durch den Kauf von Postantwortscheinen in Italien und Umtausch in Briefmarken in den USA erhebliche Gewinne zu erzielen. Statt jedoch das Geld in den Kauf von Antwortscheinen zu investieren und diese gegen Briefmarken einzutauschen, finanzierte er damit seinen aufwändigen Lebensstil.

Neuanleger wurden angelockt, um Altanlegern die versprochenen Renditen auszuzahlen. Als Zweifel aufkamen und mehr Geld abgezogen wurde als zufloss, brach das Ponzi-Schema, wie es heute genannt wird, zusammen.

Genau dasselbe Prinzip verfolgte 70 Jahre später der New Yorker Fondsmanager Bernard Madoff. Bevorzugt im Palm Bach Country Club in Florida suchten vermögende Amerikaner und Stiftungen das Gespräch mit Madoff, der seinen Kunden pro Jahr Renditen zwischen 10 und 12 Prozent bescherte. Renditen, die nur auf dem Papier existierten. "Verkaufe nie den Madoff", war ein geflügeltes Wort unter bessergestellten Amerikanern. Als sie im Zuge der Finanzkrise dann doch verkaufen wollten, brach das System mit Verlusten von bis zu 20 Milliarden US-Dollar zusammen.

Daniel Stelter
Das größte Ponzi-Schema aller Zeiten läuft noch immer. Es wurde von den westlichen Ländern aufgelegt. Nun nähert sich der Punkt, wo auch hier mehr Leute aussteigen als einsteigen.

Überbordende Verschuldung

In den dreißig Jahren bis zum Ausbruch der Finanzkrise hat sich die Verschuldung der westlichen Welt mehr als verdoppelt. Laut Bank für Internationalen Zahlungsausgleich stieg die reale Verschuldung der Nicht-Finanz-Unternehmen um den Faktor drei, die der Staaten um den Faktor vier und jene der privaten Haushalte um den Faktor sechs.

Seit 2008 hat sich der Trend dank tiefer Zinsen und aktiver Geldpolitik weiter beschleunigt. Laut McKinsey wachsen die Schulden von Staaten (9,3 Prozent p. a.), privaten Haushalten (2,8 Prozent) und Nicht-Finanzunternehmen (5,9 Prozent) seit 2007 weltweit weiterhin drastisch und immer noch schneller als die Wirtschaft.

Dabei machen Unternehmen ungefähr im selben Maße neue Schulden wie im Zeitraum von 2000 bis 2007, private Haushalte deutlich weniger (vor der Krise waren es 8,5 Prozent pro Jahr) und die Regierungen deutlich mehr (bis 2007 "nur" 5,8 Prozent pro Jahr).

Produktive Schulden sind Kredite, die künftiges Einkommen ermöglichen, zum Beispiel Investitionen. Unproduktive Schulden dienen lediglich dem Konsum, den man sich aus dem normalen Einkommen nicht leisten kann.

Der Welt gehen die nächsten Schuldner aus

Ein immer größerer Teil der Schulden in den letzten 40 Jahren war unproduktiv. Dieser vorgezogene Konsum fällt nun weg, was das Wirtschaftswachstum schwächt. Zusätzlich führen die Bemühungen der Schuldner, ihre Schuldenlast zu senken, zu einem weiteren Rückgang der Nachfrage.

Ein immer größerer Teil der neuen Schulden dient nicht mehr dazu, weitere Nachfrage zu erzeugen, sondern die Illusion einer Bedienung der bestehenden Schulden aufrecht zu erhalten. Hat ein US-Dollar neue Schulden in den 1960er Jahren noch zu rund 70 Cent zusätzlichem Bruttoinlandsprodukt geführt, so liegt die Quote heute nur noch wenig über Null. Trotz tiefer Zinsen sind immer weniger potentielle Schuldner in der Lage Schulden zu machen um zu konsumieren oder zu investieren. Das gleiche gilt für die Schwellenländer, allen voran China, die in den letzten Jahren die Verschuldung drastisch erhöht haben.

Der Welt gehen die nächsten Schuldner aus. Mehr Leute wollen oder müssen sparen und immer weniger können sich noch verschulden.

Die Folge: die Wirtschaft stagniert, deflationäre Tendenzen nehmen zu und erschweren so den Schuldendienst. Ein immer größerer Teil der Schulden ist nicht mehr bedienbar und es drohen Zahlungsausfälle, Schuldenrestrukturierungen und weitere Bankenkrisen.

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