Montag, 20. November 2017

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Erholung an der Börse Die Aufholjagd der Auto-Aktien

VW-Tochter Lamborghini auf dem Autosalon in Genf: Auch die VW-Aktie hat an der Börse zuletzt beschleunigt

2. Teil: Dogs of the Dow - oder die Köter des Dax

Wenn sich also nichts Grundsätzliches im Sektor verändert hat und die Kurse dennoch steigen, ist das aber dennoch keine Katastrophenmeldung. Denn auch davon können mutige Investoren profitieren - weil sie mit den Regeln der Statistik kalkulieren.

"Mean reversion" heißt der Effekt, nach dem Aktien immer um einen Mittelwert pendeln. Stürzen sie ab, werden sie auch wieder ansteigen und sich einem bestimmten Mittelwert langfristig wieder annähern, so die Theorie.

Und abgestürzt sind Autowerte in der Tat. VW-Papiere büßten auf Jahressicht zeitweise knapp 40 Prozent ein, bevor sie zu einer rasanten Erholung ansetzten. Die Aktien von BMW lagen zeitweise knapp 30 Prozent im Minus, bei Daimler betrug der Verlust zeitweise 22 Prozent. Nun brausen sie wieder nach oben, vollziehen den "Rebound", wie die Übersicht zeigt.

Das gleiche Bild europaweit: "Seit Mitte Februar ging es mit dem Sektor zweistellig nach oben", sagt Bert Veldman, Analyst von NN Investment Partners. "Aber seit November ging es ja auch sehr scharf nach unten, zwischen Ende November und Mitte Februar gemessen am European Stoxx Auto (SXAP) Index um rund 28 Prozent."

Nun fahren sie wieder nach oben: "Dogs of the Dow" nennt sich die Strategie, wenn Investoren auf die Hinterbänkler der Vergangenheit setzen, die zwar Kursverluste erlitten haben, denen aber aufgrund eines intakten Erlösmodells weiterhin eine attraktive Dividendenpolitik zugetraut wird. Und attraktive Dividendenzahler sind Daimler, BMW und Conti allemal - lediglich bei Volkswagen ist es aufgrund der Abgasaffäre äußerst unsicher, ob der Konzern in diesem Jahr überhaupt eine Dividende zahlt.

Geht die jüngste Aufholjagd der Autoaktien weiter? Auch bei dieser Frage kann die Statistik helfen. Um 36 Prozent zum Beispiel zogen Europas Aktien, gemessen am MSCI Europe, in den ersten sechs Monaten nach der Krise 2009 an. Dass es nun monatelang aufwärts gehen wird mit Autoaktien, lässt sich daraus aber nicht ablesen. Oder in den Worten von Fondsmanager Veldman: "Ich sehe für den Sektor nicht gerade viele positive Treiber. Ich würde ihn daher nur als hochgradig zyklischen Sektor sehen, der seinen Gipfel der Produktivität erreicht haben dürfte." Läutet Genf also den Auto-Frühling an der Börse ein? Vermutlich nein, meint Veldman. Für einen Schwalbenflug indes langt es allemal.

Übersicht: Auto- und Finanztitel im Vorwärtsgang



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