Freitag, 27. April 2018

Krypto-Milliardär Chris Larsen Dieser Mann kam über Nacht in die Top-Ten der Superreichen

Chris Larsen, Mitgründer der Krypto-Firma Ripple
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Chris Larsen, Mitgründer der Krypto-Firma Ripple

Der Hype um die Krypto-Währung Bitcoin hält seit Monaten die Finanzszene in Atem - inzwischen hat sich das Phänomen jedoch längst auf weitere Digitalwährungen ausgebreitet, und führt dort zum Teil zu deutlich extremeren Entwicklungen als beim Bitcoin. Jüngstes Beispiel: Die Digitalwährung des US-amerikanischen Start-ups Ripple, die am Finanzmarkt unter dem Kürzel XRP notiert wird.

Die Währung hat bereits im vergangenen Jahr eine exorbitante Wertentwicklung durchlaufen, die jene des Bitcoin bei weitem übersteigt. Um mehr als 30.000 Prozent stieg der XRP-Kurs im Jahr 2017.

Zu Anfang 2018 erhielt der XRP-Kurs noch einmal einen heftigen Schub. Die Folge: Die virtuelle Währung erreichte in der vergangenen Woche bei 3,84 Dollar einen Höchstwert - und machte einen der Verantwortlichen im Hintergrund kurzzeitig zu einem der reichsten Männer der Welt, jedenfalls auf dem Papier.

Wie verschiedene US-Medien mit Verweis auf Berechnungen des US-Magazins "Forbes" berichten, verfügt Ripple-Mitgründer Chris Larsen über mehr als fünf Milliarden Tokens des Typs XRP. Zudem besitzt Larsen 17 Prozent der Anteile am Unternehmen Ripple, heißt es. Summa summarum kam er so in der vergangenen Woche auf ein Vermögen von in der Spitze knapp 60 Milliarden Dollar.

Das war ein Tick mehr als die 58,4 Milliarden Dollar, die "Forbes" für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg taxiert. Larsen verdrängte Zuckerberg daher kurzzeitig von Platz fünf der "Forbes"-Liste der reichsten Menschen weltweit. Auch weitere Verantwortliche von Ripple wurden durch den enormen Wertanstieg der Digitalwährung zwischenzeitlich zu Milliardären, berichten US-Medien.

Der Reichtum der Ripple-Milliardäre dürfte allerdings zunächst kaum mehr als symbolische Bedeutung haben. Erstens schwankt der XRP-Kurs wie beim Krypto-Geld üblich gewaltig, sodass sich Kursgewinne ebenso schnell in Verluste verwandeln können. Zu Beginn dieser Woche notiert XRP beispielsweise bei knapp 2,60 Dollar, also deutlich unter dem Höchstkurs aus der Vorwoche.

Zum anderen gehören die Ripple-Leute zu den größten Besitzern ihrer eigenen Krypto-Währung. Insbesondere wenn der virtuelle Multimilliardär Chris Larsen, der 2016 als Ripple-Chef zurücktrat und seither den Verwaltungsrat des Unternehmens leitet, versuchen sollte, seine XRP-Bestände beispielsweise in US-Dollars zu tauschen, dürfte das den XRP-Kurs heftig unter Druck bringen - was wiederum Larsens Vermögen dezimieren würde.

Ohnehin halten viele Beobachter die Kursexzesse bei den Krypto-Währungen weiterhin für vorübergehend und nicht nachhaltig. Das gilt auch für XRP/Ripple. Das Start-up, das als Finanzdienstleister per Software den Zahlungsverkehr beschleunigen will, ist zwar offenbar geschäftlich erfolgreich. So verfügt Ripple eigenen Angaben zufolge bereits über 100 Finanzinstitute, die die hauseigene Zahlungsnetzwerk-Software nutzen, darunter American Express und die Bank Santander. Zudem stehen mit Google Ventures und Peter Thiel laut "Handelsblatt" prominente Geldgeber hinter dem Unternehmen.


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Dennoch bezweifeln viele, dass der jüngste Kursanstieg von XRP fundamental gerechtfertigt sein kann. Wie bei anderen Krypto-Währungen so sei auch bei Ripple der Kurs vor allem durch das "FOMO"-Prinzip getrieben, heißt es etwa in der "New York Times". "FOMO" steht dabei für "Fear of missing out" - die Furcht, etwas zu verpassen.

"Dieses ist mehr als verrückt", sagt etwa ein Hedgefonds-Manager der Zeitung, der bereits gezielt Investorengelder in die Krypto-Szene gelenkt hat. "Es gibt nichts, das diese Rallye antreibt, außer der Sorge, etwas zu verpassen, Desinformation sowie Spekulation."

Christoph Rottwilm auf Twitter

Was der Investmentprofi damit meint, zeigt ein Beispiel: Viele Ripple-Investoren verlassen sich offenbar auf die Information, dass das Start-up bereits mit mehr als 100 Finanzhäusern kooperiert, die das Ripple-Zahlungsnetzwerk nutzen. Daraus leiten die Anleger womöglich ab, dass es künftig tatsächlich eine umfangreiche Verwendung für die XRP-Währung geben müsse - doch das ist vermutlich ein Irrtum. Wie verschiedene Medien betonen, können die Banken die Ripple-Software ohne weiteres nutzen, ohne auch die dazugehörigen Tokens zu verwenden.

Laut "New York Times" hat Ripple bislang erst ein einziges Unternehmen benannt, das explizit vorhabe, XRP für den Zahlungsverkehr einzusetzen, und das sei ein mexikanischer Finanzdienstleister.

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