Samstag, 16. Dezember 2017

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Bekämpfung von Geldwäsche und Terror-Finanzierung Briten planen staatliche Kontrolle beim Bitcoin-Handel

Im Fokus: Der Bitcoin

Der Bitcoin rückt nicht nur auf der Preisskala immer weiter nach oben - auch in der Wahrnehmung von Politik und Behörden gewinnt die wichtigste Kryptowährung zunehmend an Bedeutung. Jüngster Beleg: Großbritannien macht sich innerhalb der Europäischen Union (EU) dafür stark, dass Regeln gegen Geldwäsche auch für derzeit boomenden Digitalwährungen wie Bitcoin gelten sollen. Laut Medienberichten vom Montag hat ein Vertreter des Finanzministeriums dem Parlament in London entsprechende Pläne skizziert.

Demnach sollten Plattformen für Kryptowährungen und Betreiber von virtuellen Geldbörsen künftig auch den Aufsichtsregeln zur Bekämpfung von Geldwäsche und Terror-Finanzierung unterliegen. Dies würde bedeuten, dass die betroffenen Unternehmen von nationalen Regulierungsbehörden beaufsichtigt würden. Das Finanzministerium geht davon aus, dass die Verhandlungen über die Ergänzung von EU-Regeln Ende des Jahres oder Anfang 2018 abgeschlossen werden können. Dann sollen Händler ihre Identität preisgeben und verdächtige Aktivitäten um Bitcoin & Co. melden müssen.

Vor einigen Tagen hatte bereits Malaysia einen ähnlichen Vorstoß gestartet. Das asiatische Land will den Handel mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen ebenfalls regulieren. Einzelpersonen und Unternehmen, die Cyberwährungen in konventionelles Geld umtauschen wollen, sollen dies ab dem kommenden Jahr melden, wie die Zentralbank des Landes ankündigte. Damit sollen etwa Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung eingedämmt werden. Ab wann genau die Vorschriften gelten sollen, stehe noch nicht fest.


mm und Mynd erklären im Video: So funktionieren Kryptowährungen

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Kryptowährungen wie Bitcoin werden von Computernutzern rund um den Globus geschaffen, keine Zentralbank oder Regierung steht für sie ein. Da Beträge schnell und anonym transferiert werden können, sind diese Devisen auch für Nutzer interessant, die illegale Geschäfte betreiben oder Kapitalkontrollen umgehen wollen. In Malaysia hat die Terrorismus-Finanzierung in den vergangenen Monaten nach Angaben der Zentralbank zugenommen.

In Deutschland hatte zuletzt die Finanzaufsicht Bafin vor den Auswüchsen des Preisbooms bei Bitcoins gewarnt. In Zeiten niedriger Zinsen seien Anleger eher bereit, Risiken einzugehen, sagte die Chefin der Wertpapieraufsicht der Bafin, Elisabeth Roegele. Nicht jede Kryptowährung werde sich jedoch am Markt durchsetzen. Im Zweifelsfall drohe Anlegern ein Totalverlust.


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Den jüngsten Preisschub erhielt der Bitcoin durch die Entscheidung der weltgrößten Derivatebörse CME, den Terminhandel mit der Digitalwährung zu ermöglichen. Die CME darf ab dem 18. Dezember einen Terminkontrakt auf die virtuelle Währung handeln. Ihre Rivalin CBOE erhielt ebenfalls grünes Licht für einen Future. Mit diesen Papieren können Investoren auf steigende und fallende Kurse wetten. Die Aussicht auf einen Bitcoin-Future sind mit ein Grund für das rund 1000-prozentige Kursplus der vergangenen Monate.

Am Wochenende hat die Internet-Währung Bitcoin Börsen-Chart zeigen ihre Kursrally fortgesetzt und die Marke von 12.000 US-Dollar in den Blick genommen.

Die Kurse der Digitalwährung schwanken extrem: Noch am Donnerstag war der Bitcoin nach einem Sprung über die Marke von 11.000 Dollar wieder auf rund 9000 Dollar zurückgefallen. Notenbanker warnten vor diesem Hintergrund erneut vor der Unberechenbarkeit der Digitalwährung. Zu Jahresbeginn stand der Bitcoin erst bei 1000 Dollar.

Am Mittwoch war der Preis bereit zeitweise über die Marke von 11.000 Dollar für eine Bitcoin-Einheit gesprungen. In der Spitze wurde ein Hoch von 11.400 Dollar markiert, ehe es am Freitag wieder unter die Marke von 9400 Dollar nach unten ging. Das bedeutet eine Schwankung von mehr als 2000 Dollar binnen weniger Stunden - solche Schwankungen innerhalb eines Tages sind bei der Digitalwährung jedoch nicht ungewöhnlich.

Am Freitag kletterte der Bitcoin wieder deutlich über die Marke von 10.000 US-Dollar. "Alles was hoch steigt, fällt um so schneller wieder runter - wenn die Zeit gekommen ist", sagte James Hughes, Marktanalyst beim Brokerhaus Axitrader. Warnungen über eine aufgeblähte Spekulationsblase blieben bislang ohne Wirkung am Markt. Im Gegenteil: Die in London ansässige Blockchain.info - eine der größten Anbieter digitaler Geldbörsen - teilte Reuters am Mittwoch mit, dass eine Rekordzahl neuer Nutzer sich schon am Dienstag angemeldet habe.

Neue Bitcoins werden durch sogenanntes "Mining" erzeugt. Alle Transaktionen in der Cyber-Währung werden verschlüsselt und in eine Datenbank geschrieben, die sogenannte Blockchain.

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cr/rtr/dpa

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