Montag, 29. August 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Symbolträchtige Fondsschließung Bric-Erfinder Goldman Sachs beendet die Bric-Ära

Investor an der Börse in China: Die Schwellenländer haben schon bessere Zeiten gesehen

Es ist eine der bekanntesten Investmentstorys der vergangenen Jahre und sie hat ihren Ursprung im Hause Goldman Sachs: Etwa 14 Jahre ist es her, dass Jim O'Neill, der seinerzeitige Chefvolkswirt der Bank, den Begriff Bric in die Welt setzte. Nun zieht die Großbank offenbar einen Schlussstrich unter das Kapitel.

Das Akronym Bric besteht aus den Anfangsbuchstaben von Brasilien, Russland, Indien und China. Dies seien die aussichtsreichsten Schwellenländer, so O'Neills These im Jahr 2001. Dort sei besonderes Wachstum zu erwarten, was sich für Investoren auszahlen sollte.

Nachdenklicher Erfinder: Ex-Goldman-Volkswirt O'Neill setzte den Begriff Bric einst in die Welt
Eine Zeit lang hatte O'Neills Prognose bestand, und sie wurde von anderen übernommen. Tatsächlich erlebten Schwellenländer wie China, Indien oder Russland jahrelang einen rasanten Aufschwung. Banken und Investmenthäuser konzipierten Fonds, mit denen deren Kunden in diesen Märkten investieren konnten.

In jüngerer Vergangenheit allerdings hat die Bric-Story Risse bekommen. Die Expansion der Emerging Markets verlor an Dynamik. Inzwischen stecken Russland und Brasilien in der Rezession. In China schwächelt die Konjunktur und die Börsen rutschen ab.

Der jüngsten Maßnahme von Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen kommt daher einiges an Symbolwert zu: Die US-Großbank hat ihren neun Jahre alten Bric-Fonds, einst ein Schlachtschiff von beinahe einer Milliarde Dollar Gewicht, geschlossen. Die verbleibenden Gelder wurden in einen anderen Schwellenland-Fonds der Bank überführt.

Abflüsse von 15 Milliarden Dollar in fünf Jahren

Bric-Erfinder O'Neill hatte Goldman bereits vor zwei Jahren verlassen und tauchte zuletzt als "Commercial Secretary" beim britischen Finanzministerium auf. Nun beendet offenbar auch Goldman Sachs das Kapitel Bric.

Der Grund liegt auf der Hand: Die Entwicklung der größten Schwellenländer spiegelte sich in den Kennzahlen des hauseigenen Bric-Fonds eins zu eins wider. Seit dem Höhepunkt im Jahr 2010 verlor der Fonds laut Bloomberg 88 Prozent seines Volumens. Steckten vor fünf Jahren noch 842 Millionen Dollar (783 Millionen Euro) in dem Investmentvehikel, so waren es zuletzt nur noch 98 Millionen Dollar.

Ebenso enttäuschend fiel die Performance aus: Unterm Strich stehen seit 2010 minus 21 Prozent. Zum Vergleich: In den zehn Jahren bis 2010 hatte der MSCI-Bric-Index laut Bloomberg um 308 Prozent zugelegt. Der US-Index S&P 500 hatte es im gleichen Zeitraum lediglich auf ein Plus von 15 Prozent gebracht.

2010 kam also die Kehrtwende. Zu spüren bekommt das nicht nur Goldman Sachs, sondern auch andere Investmenthäuser. Allein in diesem Jahr haben Investoren weltweit 1,4 Milliarden Dollar aus Bric-Fonds abgezogen, berichtet Bloomberg mit Verweis auf Daten von EPFR Global. Seit 2010 belaufen sich die Mittelabflüsse demnach auf 15 Milliarden Dollar.

"Das Bric-Akronym hat von vornherein keinen Sinn gemacht, weil einfach willkürlich vier völlig unterschiedliche Länder zu einer Gruppe zusammengefasst wurden", bringt es Xavier Hovasse auf den Punkt. Der Emerging-Markets-Fondslenker, der bei Carmignac Gestion die Hoheit über 2,3 Milliarden Dollar hat, ist sich sicher: "Wenn Sie Ihr Investment-Universum derart beschränken, ist es schwer zu performen. Es wundert mich nicht, dass die Fonds kollabieren."


Alle relevanten News des Tages gratis auf Ihr Smartphone. Sichern Sie sich jetzt die neue kostenlose App von manager-magazin.de. Für Apple-Geräte hier und für Android-Geräte hier.
Newsletter von Christoph Rottwilm
Christoph Rottwilm auf Twitter

Mehr manager magazin
Zur Startseite

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH