Mittwoch, 12. Dezember 2018

Insolvenzverfahren in London Boris Beckers Trophäen kommen wohl doch unter den Hammer

Ex-Tennisprofi Boris Becker während der Deutschland-Premiere des Broadway-Musicals "Anastasia" vor wenigen Wochen in Stuttgart

Boris Becker muss jetzt fest mit einer Versteigerung seiner Trophäen rechnen. Im Insolvenzverfahren gegen den ehemaligen Tennisstar habe Becker nicht nur erklärt, seine angebliche diplomatische Immunität aufzugeben. Vielmehr sei er finanziell auch nicht mehr in der Lage, den Streit weiter vor Gericht auszutragen, sagte der Insolvenzverwalter.

Tennisidol Boris Becker pocht in dem gegen ihn laufenden Insolvenzverfahren in Großbritannien offenbar nicht mehr länger auf diplomatische Immunität. Bei einer gerichtlichen Anhörung in London erklärte Insolvenzverwalter Tony Beswetherick, Becker habe in einer E-Mail geschrieben, ihm bleibe keine andere Wahl, als auf den Verweis auf diplomatische Immunität zu verzichten.

Der dreimalige Wimbledon-Sieger habe hinzugefügt, er sei finanziell nicht in der Lage, die Angelegenheit weiter vor Gericht auszutragen. Wie die BBC berichtet, wird es ohne diplomatische Immunität zu einem Verkauf von Beckers Trophäen und Erinnerungsstücken seiner großen Karriere kommen. Becker war in London nicht vor Gericht erschienen.

Der 51-Jährige hatte zuvor darauf gepocht, als Sport-Attache der Vertretung der Zentralafrikanischen Republik bei der EU in Brüssel einen Anspruch auf politische Immunität zu haben. Später behauptete der Büroleiter des Außenministers des afrikanischen Landes, dass es sich bei dem Dokument um eine Fälschung handele. Dies hatte Becker seinerzeit entschieden zurückgewiesen.

Becker war 2017 von einem Konkursgericht in London wegen unbeglichener Schulden für zahlungsunfähig erklärt worden. Der Ex-Tennisstar sagte zuletzt, er habe die vom Gericht festgesetzte Schuldsumme von 3,9 Millionen Euro beglichen, doch der Insolvenzverwalter sei immer noch nicht zufrieden.

"Becker war niemals ordnungsgemäß zu dem Gerichtstermin geladen worden", sagte sein Berliner Anwalt Christian-Oliver Moser der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage. Außerdem sei schon länger bekannt, dass sich der 51-Jährige nicht mehr auf den Diplomatenstatus berufe. Es habe um diesen Punkt einfach zu viel Ärger gegeben.

Becker hatte zuvor behauptet, als Attaché für Sport, Kultur und humanitäre Angelegenheiten der Zentralafrikanischen Republik nicht mehr von seinen Gläubigern belangt werden zu können. Es gab von Anfang an Zweifel daran, ob er mit dieser Argumentation durchkommen könnte. Zudem wollten einige Regierungsvertreter aus dem bitterarmen Land nichts von Beckers angeblichem Diplomatenstatus gewusst haben.

Lesen Sie auch: Was die begehrtesten Trophäen der Sportwelt wert sind

Die Insolvenzverwalter in London waren verärgert, dass Becker einen Teil seiner Trophäen aus seiner Karriere angeblich nicht aushändigte. Becker fühlte sich hingegen gedemütigt. Dutzende Erinnerungsstücke sollten online versteigert werden, darunter Socken des Ex-Weltranglistenersten. Vorübergehend konnte er dies verhindern.

Becker sieht sich als Opfer eines Kredithais. Er habe die Summe längst hinterlegt, die er einer englischen Privatbank rechtmäßig schulde, sagte er einmal in einem Interview. Die Bank aber fordere mehr als das Doppelte, weil sie 25 Prozent Zinsen draufgeschlagen habe - das sei "weder rechtskräftig noch rechtswirksam".

rei/sid/dpa

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH